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Uluru & Kata Tjuta
Gestern abend noch mit einer Gruppe Deutschen (eine Sozialpädagogin, ein Realschullehrer und ein Journalist) unten im Hostelgarten gesessen, die haben allerdings nix besseres zu tun, als am anderen Ende der Welt über das Für und vor allem Wider des deutschen Schulsystems zu diskutieren… das ist mir echt zu strange… also schnell in die Falle!
Um 5am raus, vorm Zimmer gleich in einen komischen Kauz gerannt, der mir ganz freimütig er sei “on the run”, und dann sei dir Tür zum Hostel Gott sei Dank aufgegangen und er hätte sich vor der Polizei verstecken können… will dann auch gleich über Religion mit mir diskutieren… also zackig nach dem Zähneputzen raus vors Hostel… keiner der mir folgt um mich zu nerven… Sonnenaufgang zwischen den Bäumen. Um kurz vor 6am kommt der Pickup, boat race
in
an dry riverein wenig Multitasking: beim Telefonieren eine Namensverwechslung klären (Tim / Jim), abrupt das Gespräch beenden, und rein in den Tourbus (letztlich ein Reisebus mit Hirsch Cattle-Fänger). Der Fahrer Richard erzählt nochmal die Story vom Todd-River in Alice Springs und wie hoch der überflutet war, zeigt davon kurz ein Video auf seinem Handy… in Alice gibts eine Redensart: wer den Fluss 3mal hat fliessen sehen, geht hier nicht mehr weg und wird hier beerdigt… und dann meinte er, das “Boat Race” müsste dann, wenn es denn so weitergeht, dieses Jahr abgesagt werden. Denn das Boat Race in Alice Springs (übrigens gerade mal 22000 Einwohner (am Wochenende kommen die aboriginal people aus dem Bush dann noch in die Stadt, dann sinds 30000)) findet nur im ausgetrockneten Fluss statt: kein Boden im Boot, das ganze in die Hände genommen und dann wird gerannt! Strange people out here!
Gleich zu beginn vom Ghan-Güterzug “ausgebremst”, gehts den Stewart Highway runter nach Süden. Unterwegs Roadtrains (große LKWs mit 2 großen Anhängern), immer noch viel Grün! Richard erzählt, dass es das letze Mal vor 7 Jahren ähnlich viel Regen gegeben habe, sonst regnets mal kurz, das Grün verschwindet sofort wieder… jetzt regnets aber schon seit 3 Wochen regelmäßig, das Grün bleibt und wird in den nächsten 4 Wochen in allen Farben blühen! Und dann wieder Rot und staubig werden. Jeder noch so kleine, selbst jetzt kein Wasser führende Bach hat einen eigenen Namen und sein eigenes “Creek” Schild… Auf dem Weg nach Yulara gehts an insgesamt 8 Cattle-Stations vorbei, keine Tiere weit und breit an der Strasse… sonst seien hier hunderte von Kangaroos und Dutzende Kamele anzutreffen, die sind aber wegen der optimalen Nahrungsbedingungen im Moment alle im Bush.
Zwischenstopp in Erldunda, einem Motel, einer Tankstelle und einer kleinen Emu-Farm im Nichts, es geht nur geradeaus oder nach rechts… hier sind wir “just in the middle of nowhere”… Fahrerwechsel: Tic, ein echtes inneraustralisches Urgestein mit dem dazugehörigen starken Akzent erzählt eine Geschichte nach der anderen:
- vom See um die Ecke, auf dem die Jungs aus Alice Springs gerne Wasserski fahren
- dass wir alle mit Betreten des Busses den Touristen-Status verloren haben und “adventurere” oder “explorere” seien, damit wir uns nicht angesprochen fühlen, wenn die beiden Jungs über “those bloody fucking tourists” schimpfen
- die Geschichte von den schottischen und den australischen Kühen: die einen haben einen Dudelsack, die anderen ein Didgeridoo zwischen den Hinterläufen…
Hier draussen wirst entweder zu einem skurrilen Urgestein oder du wirst komplett verrückt… den Jim werd ich heute (von den Jungs nicht ganz ernstgemeint), nicht mehr los… 3 Autos Gegenverkehr in 5min bedeutet hier draussen schon “hell of a traffic”…
Am Horizont taucht ein Fels auf: Fooluru: verwechseln doch einige Mt Conner mit Uluru… kurzer Fotostop am Viewpoint, sieht von höher wirklich wie eine “giant toothbrush” aus… an den Strassenrändern jetzt immer mehr Kühe… und um 11:30 taucht der Erste Blick auf Uluru und Kata Tjuta auf (Uluru (Ayers Rock) bedeutet: “place of meeting”, Kata Tjuta “heads of many”. Kurzer Stop in Yulara und lunch, dann rein in den Nationalpark und erstmal zu Kata Tjuta (früher The Olgas genannt), um antizyklisch den Touristenmassen zu entgehen…
Kurzer walk in den Wolpa Gorge (“windy gorge”), liegt mitten in den 4 größten Felsen: Mt Liru, Mt Olga, Mt Wolpa und Mt Gee)… roter Fels, schwarze Streifn vom Wasser und grüne Streifen von der Vegetation… die Kombi heisst auch “hanging gardens”… überall liegen große Brocken rum, die mal in den Löchern im Fels waren… beindruckende Größe und eine nach wie vor sehr wichtige religiöse Stätte der aboriginal people, wichtiger als Uluru.. Story zu Kata Tjuta: Jäger gehen jagen, lassen ihre Frauen alleine, die werden von Kriegern gefangengenommen, die Jäger verfolgen und stellen diese, sind siegreich… anstatt ihre Speere an den Kriegern zu vergeuden, graben sie die bis zum Hals im Wüstensand ein und lassen sie zurück… aus der Ferne sieht das auch genauso aus! Die Farben sind, dank aufgerissener Wolkendecke und dem vielen Regen von Grün über Rot zu Blau und Weiss. Sehr schön hier!
Danach eine kurze Stippvisite im aboriginal cultural center… die Souvenirs sind exorbitant teuer… danach gehts zur ersten Stunde guided walk am Felsen von Uluru… gleich am Start sehen wir Touris, die den Fels, obwohl er für den Aufstieg gesperrt ist (“expectet rainfalls”) bestiegen haben… auf die warten die Ranger schon unten, dass gibt erstmal n Trip in den örtlichen Knast, viel Ärger und 5000 $ Strafe…. wollen die aboriginal people doch nicht, dass der Fels nicht bestiegen wird, sondern dass die Leute hier nicht auf ihrem Heiligtum sterben! Und das sind schon mehr als 40 Touristen, die den Fels bestiegen haben!!! Dehydriert, abgestürzt oder einfach vom Fels geblasen worden! Deswegen wird der Fels mittlerweile nur bei optimalen Bedingungen freigegeben… bei mehr als zu erwartenden 36°C, Regen, Wind oder anderen widrigen Umständen ist das ein nogo! Und selbst wenn es geht, gerne sehen die Ureinwohner das trotzdem nicht… ich verstehe nicht, wie man hiervor keinen Respekt haben kann! Genau wie zwei aus der Gruppe an einer (der 7) wirklich heiligen Stätten trotz Fotoverbots Bilder schiessen…
Nach wie vor ist das Wetter gemischt, die Sonne kommt immer mal wieder raus… der Fels ist… Rot! Beeindruckend! aus jedem Blickwinkel anders. Mit Löchern, Scharten und Höhlen… an einer Seite sieht er sogar aus wie ein gerade wieder abtauchender Delphin aus… hat 7 heilige Höhlen, die nicht Fotografiert werden dürfen… z.B: “birth cave”, einer in dem die Frauen um Fertilität bitten, einer der nur den alten Männern vorbehalten ist… dafür dürfen wir die Küche betreten: eine große Höhle, in der bei so guten Nahrungsbedingungen wie im Moment sich alle Familien des Stames (die sonst weit auseinander durch den Bush ziehen) treffen, die jungen Männer sich eine Frau aussuchen und eine Familie gründen… hier sieht man in das innere des Felsen, dass er innen eigentlich grau ist, und erst zum klassischen “rostet”… Zeichungen unterschiedlichen Alters in kleinen Höhlen…
Ein zweiter guided walk mit ebensovielen Geschichten. Jede Felsformation, jedes Loch, jeder Vorsprung, jede Spalte… für alles gibts eine Geschichte. Und wenn man die Geschichte kennt, bekommen die Felsen Gesichter, werden zu Schlangen, Footprints oder ganzen Tragödien… große Schlachten zwischen Dämonen und den Aboriginees, zwischen Göttern und Riesen untereinander… Tic, der andere Guide, lässt uns Bushbeans kosten… aber auf die traditionelle Art: wenn eine potentiell neue Nahrungsquelle erschlossen werden sollte, wurde das neue Nahrungsmittel erstmal unter der Achsel gerieben, wenn das nicht brannte, wehtat oder anderweitig störte, wurde es der ältesten Frau zum Essen gegeben. Wenn die keine Probleme hatte und nach 2 Tagen noch nicht tot umgefallen war, konnte mans essen, Hatte die kleine Wehwehchen wie Kopfschmerzen, hat mans einer jungen Frau zum Essen gegeben, um auszuschliessen, dass es ein “alte Frauen Ding” war…
Danach zum sunset viewpoint, hier bereiten die beiden ein BBQ vor, und Mutter Natur was wohl? Nein, nicht den Sonnenuntergang, erst gibts? Genau! Regen! Also nix mit feuerrotem Fels und Sonne… es schüttet… BBQ im Regen in der Wüste vor Uluru… hat auch was…mehr im Spass als im Ernst sag ich noch, cool wärs jetzt, wenn die Wolken während des Sonnenuntergangs aufreissen und wir über Uluru einen Regenbogen bekämen… und was passiert? Genau das! Der Fels ist nicht feuerrot, es ist kein blauer Himmel, es regnet… aber die Wolkendecke reisst kurz auf und tatsächlich, es gibt einen Regenbogen… erst ganz schwach und zart, wird der immer kräftiger, bis daneben ein zweiter entsteht (der wird auf den Fotos wohl nur schwer zu erkennen sein…) Da gehen viele Münder nicht mehr zu und einige Augen werden groß, alle gucken trotz Schlechtwetter ganz zufrieden aus der (nassen) Wäsche… Der Fels wird (logischerweise) nass… an den Stellen, wo vorhin nich die schwarzen senkrechten Streifen waren, fliesst das Wasser nun als Wasserfall…
Im Nachhinein bin ich echt froh, dass ich zwangsweise mit dieser Tour fahren “musste”, weil ich die andere verplant hatte… haben die beiden Guides (Richard, früher ein Büromensch aus London und Tic, das echte Urgestein) doch unglaubliche, faszinierende, magische und berührende Geschichten zu erzählen, die leider nirgendwo niedergeschrieben sind (auch nicht ganz Richtig: das was an Geschichten (nachdem die Missionare kamen und den Ureinwohnern den “Götzenkult” verboten haben, sind viele (mündlich überlieferte) Songlines verlorengegangen) übrig geblieben ist, wurde, nachdem sie die Sprache der Australier gelernt hatten, niedergeschrieben… und liegt jetzt gut bewacht und für niemanden (!) zugänglich in einem Tresor in Alice Springs), sondern die die zwei selber in vielen Gesprächen von den aboriginal people gelernt haben… deswegen können die beiden die aus so gut rüberbringen… dass die beiden nebenbei noch den typisch schrägen australischen Humor haben, macht die Sache nicht unangenehmer… Insgesamt war das Ganze mindestens so beeindruckend, wie in der Grabkammer der Cheopspyramide zu stehen… eigentlich wars noch gewaltiger… eines dieser Erlebnisse, die sich nur schwer in Worte fassen lassen, die man, selbst wenn man sie selber erlebt hat, nur erahnen und nicht begreifen kann… hier treffen 600 Millionen Jahre Fels (da gabs lt Guides noch gar kein bischen Leben auf der Erde), in denen der sich nur wenig verändert hat und 70000 Jahre Aboriginee-Geschichte zusammen, und das an einem Platz… schwere und genauso beeindruckende Kost. Von der landschaftlichen Schönheit mal ganz abgesehen…
Nach dem “Sonnenuntergang” werd ich im YHA Yulara rausgelassen, organisier noch ein wenig Cash, kaufe mir hier ein Wasser (Supermarkt schon zu) für schlappe 8 Bucks und fange das Schreiben an… mittlerweile ist es hier auch nach Mitternacht… und ich bin doppelt froh, keine “overnight tour” mit camping draussen gebucht zu haben, gewittert es doch gerade schon wieder und alles ist nicht nur feucht, sondern nass… habe jetzt letztlich auch nur die Eindrücke, solange sie frisch sind, reingehackt… Bilder und sonstiges werd ich morgen vormittag vorm Flug machen, und den Beitrag auch erst morgen posten… jetzt gehts in die Falle… morgen um 5:42am steht der Sonnenaufgang mit Blick auf Uluru an…
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Alice Springs, Kata Tjuta, Nationalpark, Red Center, Regen, Sonne, Uluru, Unterwegs, Wüste, Yulara
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Red Center und Alice Springs und Ayers Rock und Australien und Nationalpark und Unterwegs
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