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Sonne! Warm! Endlich!
Gestern Russians vs. ChineseAbend noch ein wenig in der bar unterm Hostel ein Bierchen trinken und Billard gespielt (auc das funktioniert hier anders, die Kugeln kleiner, ohne Zahlen, nur rot und gelb (“Russians & Chinese”)… hinter der bar steht ein “radio”, der Polizeifunk läuft und sollte der Barkeeper ein Problem bekommen, kann er die Cops anfunken… und die tauchen auch in ihren neongelben Regenmänteln zu viert in einer routinemäßigen Streife auf und verschwinden wieder… auch die australischen Trinkspielchen sind anders: “when does Beerbank start?”). Gegen 10pm ab in die Falle, muß ich doch morgen früh weiter, kalt ist es, dass Fenster geht immer noch nicht zu, gegen das Reinregnen hilft nur Gardine zuziehen… dann schlägt auch noch (wie bis jetzt auf jedem Trip einmal) das Heimweh zu, wie befürchtet machts die große Entfernung nicht wirklich besser… nachts vom Telefon geweckt worden…
Heute morgen um 5am von alleine wach geworden (kaaalt!) und gleich raus, der Wecker würde eh bald klingeln… teile mir statt Airportshuttle mit einer (wie sich erst während der Fahrt herausstellt) Schweizerin das Taxi zum Flughafen (draussen regnets immer noch und hat 8°C (in Worten: ACHT VERDAMMT KALTE GRADE!)) und bin letztlich zu früh am Airport, CheckIn geht wieder ganz schnell per Pass und selber am Automaten. Nun erstmal die Zeit angenehm “vertelefonieren”… von hier starten einige Deutsche mit organisierten Touren, ein bischen Palaver und um 09:12 local hebt die 737-300 bei Regen und tiefschwarzen Wolken ab…
Und nachdems jetzt ins Red Center geht, werden Bruce Chatwins “Traumpfade” beschritten…und führen zu einem latenten Schweifen der Gedanken… um 10:20 local (Alice Springs ist wie gesagt 1,5h hinter der Ostküste und damit +8,5 zu D) kommen wir nach knapp 2000km und einigen kurzen Blicken auf die Erde unter uns (der Rest ist auch in ASP unter Wolken) im “Provinz”-Flughafen Alice Springs an. Adem Flieger und zu Fuß (!) in das Flughafenterminal. Nach dem Baggage Claim mit dem Airportshuttle für 17 Bucks zum Hostel. Unterwegs alles viel zu grün wegen der “heavy rainfalls” in den letzten Tagen, z.T: so stark, dass einige Touren von hier gar nicht zu Kings Canyon auf dem Weg zu Uluru (wie Ayers Rock jetzt politisch korrekt heisst!) kamen, weil die Strassen entweder überflutet oder zu matschig waren). Einchecken, bekomme gleich eine Karte der “Stadt”… schnell avisierte emails checken und drüber freuen, und dann ein wenig die Gegend erkunden.
Alice Springs selber ist eher ein verschlafenes Nest denn eine Kleinstadt, das “city centre” ist 500 mal 1000m groß… das wars… einmal vor bis zum Ende, als ersten Punkt den Stützpunkt der Flying Doctors, ist ja eigentlich ein Pflichttermin… Beeindruckender Film über Daten und fakten, u.a. gibt es von der Sorte wie in Alice Springs insgesamt 27 Stützpunkte mit insgesamt 51 Maschinen, 4 davon in Alice Springs, die Flieger sind letztlich fliegende Intensivstationen… hierbei treffe ich auf ein deutsches Pärchen aus München… selbst am anderen Ende der elt mitten im Nichts ist die Welt doch noch klein.. .das präsentierte Arbeitsumfeld habe ich erst für die
zur Schau Stellung eines “antiken” Arbeitsplatzes gehalten, bis wir erfahren, dass von hier gestern noch 2 Flüge organisiert wurden… am hiesigen “Flugsimulator” noch kurz getestet, ob ich so ein Ding auch runterbringen würde… ein Crash wars keiner, aber ich bleib dann lieber hinterm Cockpit… noch gemütlich mit den Beiden einen Kaffe getrunken, Nummern getauscht, sind die Zwei doch kurz vor mir in Cairns, vielleicht geht ja noch ein Bierchen am Montag abend… leider ist auf dem Rückweg durchs “Zentrum” genau das eingetreten, wofür die Flying Doctors immer wieder gebraucht werden: die lokale Feuerwehr schneidet gerade einen nach einem Verkehrsunfall aus seinem Auto… die Schaulustigen werd ich nie verstehen, auch wenn sonst in so einer provinziellen Kleinstadt nix anderes aufregendes passiert…
Danach erstmal Wasser und einen neuen Block (fürs Blog) organisieren (ist der alte doch schon fast voll). Danach mach ich mich auf den Weg zur Telegrafenstation ca 5km durchs “Outback”, immer am Fluss entlang. Den es hier eigentlich gar nicht gibt! Die Regenfälle vor 2 – 3 Tagen
sind wohl die heftigsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung Australiens gewesen… also doch ein Jahrhundertsommer hier… nur eben im “negativen” Sinne… dafür ist hier, wo es sonst nur rot und staubig sein sollte, alles grün… von wegen “Red Center”… ein “Green Center” ist das… Dank der Gamaschen auch keine Sorgen, mal den Weg zu verlassen, um das eine oder andere Tier aus der Nähe zu beobachten… Überall fliehen große Heuschrecken die sich an der unverhofften Nahrungsquelle gütlich tun, vor meinen Schritten… Termiten bauen neue Hügel, hat der Regen die alten doch weggewaschen…
Nach guten 40 min bei 33° und einer guten Portion Sonne an der alten Telegrafenstation angekommen… auch hier wieder ein wenig Eintritt losgeworden, ist das Areal anders als vorgestellt… ich hatte ja eigentlich mit nur einem, grösseren und verfallenen Haus gerechnet… die “Stadt” ist nach dem Wasserloch vor der Telegrafenstation benannt worden. Und das ist nach der Ehefrau des ersten Telegrafenmeisters benannt worden. Witzigerweise hat seine Frau nie australischen Boden betreten. Doch statt der erwarteten Ruine erwarten mich mehrere, gut erhalten Häuser, beinahe schon ein Gutshof. Und die alten Fotos beweisen, dass hier nichts verändert wurde (bis auf den Zaun drumherum)… damals wars die einzige Verbindung von Adelaide und Darwin, tragischerweise war die erste Nachricht diejenige, dass der designierte erste Telegrafenmeister keine 10km vor dem Erreichen der Station verdurstet ist…
Zurück sollte es eigentlich auf der anderen Seite des Flusses gehen, aber da ist kein rüberkommen, ist der Weg vom sonst wohl nicht vorhandenen Fluß überflutet…
also erstmal kurz denselben Weg wieder zurück, denk ich mir bald, da muss doch ein rüberkommen sein… und hüpfe über vermeintlich trockene Inseln über die mehr oder weniger breiten Rinnsale… aber da wo es trocken aussieht, ist es drunter ordentlich nass… so steck ich bald bis zu den Knöcheln im Schlamm und hab nasse Füße… dafür bin ich dann (endlich auf der anderen Seite angekommen) hier ganz alleine
mitten im Nichts! Im nassen Sand unter mir finden sich Hufspuren, das einzige Huftier in dieser Größe dass mir einfällt, ist ein Känguru… wieder viele Heuschrecken, bunte Papageien in den Bäumen, altes (z.T. verbranntes) Gras neben dem frischen Grün, Blumen… Alice Springs wie es wohl wenige erlebt haben… Trotzdem kann man an den ganzen Steinen erahnen, warum das hier das “Red Center” ist… die Erdkruste reisst, wie man es von den kitschigen Wüstenfotos kennt, beim Trocknen auf…
Auf
dem Weg zurück nach Alice Springs komme ich an der Brücke vorbei, von dem das deutsche Pärchen erzählt hat, dass die knietief unter
Wasser stand: dann muss hier ein Strom auf einer Breit von 200m und einer Höhe von mehr als 3m vor nicht ganz 3 Tagen durchgerauscht sein! kurz im Städtchen was Essen, danach noch zum Sonnenuntergang hinter den MacDonnel-Ranges auf den Hügel des “Anzac War Memorials” wo den Gefallenen diverser Kriege mit Australischer Beteiligung gedacht wird (u.a. WW II, Borneo, Korea, Vietnam). Nebenbei noch einen Blick über das beschauliche Kleinstädtchen geworfen, am Fuße des Hügels spielt die lokale Highschool-Mannschaft Australian Football…
Endlich in Australien! Wie sich die Welt doch mit nur einem Flug verändern kann… heute morgen noch gewaltig angefressen in Melbourne gehockt, sieht die Welt nun im wahrsten Sinne des Wortes ganz anders aus! Nu hab ich in 7h eigentlich das wesentliche von Alice Springs gesehen, gehts nun ins Hostel, schnell den Eintrag tippen und Sachen packen, gehts doch morgen um 5:50am weiter, noch tiefer ins Rote Nichts…
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Airport, Alice Springs, Australien, Bushwalking, Flug, Melbourne, Red Center, Regen, Sonne, Wüste
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Alice Springs und Bushwalking und Red Center und Australien und Flug
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