Wieder früh raus, das Telefon bemüht, die Sachen zusammengepackt und den grossen Rucksack in der Storage für die Abholung abgeworfen…. und dann Frühstücken… der Tag fängt mir 2 Lizards beim Sonnen / Futter suchen schon gut an… und dann gehts auf zu Tag 3…
Heute werden aus 28 Teilnehmern ganze 15, die 3 Tage hier verbringen… ”rude songs” für den harten Kernein entspannter Tag steht an… erstmal gibts die aufgesparte musikalische Untermalung mit den “rude songs”… Unterwegs einem kleinen im Sand festgefahrenen Jeep mit 5 Mann mittels Anschieben weitergeholfen… weiter gehts… 10min später einen kleinen, beim Vorbeifahren vom Bus “gefällten” Baum von der “Strasse” zerren… danach gibts einen gemütlichen Fußweg zu Lake Wabby… by the way: hier gibts sogar Drachen… nur Tiger hab ich noch keine gefunden…
Eine gute Stunde an Lake Wabby mit Baden im leicht grünlichen (dank Algen) aber sauberen Wasser verbracht… hier gibts Catfish und andere Süßwasserfische… danach einen 2km Fußmarsch über eine riesige Sanddüne zum Strand (und damit zum Bus) runter… von hier gehts zum Mittagessen in ein nahegelegenes Resort (Eurong Beach)… hier stell ich einfach mal wieder fest, warum mir ein Urlaub mit Rucksack auf dem Buckel und unterwegs einfach lieber ist: ich mag die Massenspeisesäle nicht, wo jeder sein Futter runterschaufelt…
Danach auf dem Weg zu Lake Birrabeen einem festgefahrenen Tourbus geholfen… heut ist Tag der Steckenbleiber… wir wagen uns trotzdem durch den “soft sand” und werden mit einem Bad im Lake belohnt… schaut hier genauso aus wie an Lake McKenzie: ganz feine Sache: weisser Sand, kristallklares Wasser, blauer Himmel und drumherum tropische Vegetation… im seichten Wasser eine Runde Frisbee gespielt… derweil zieht ein Seeadler über uns seine Kreise… und “endlich” der Ansatz eines Sonnenbrandes… wär ja auch eine Katastrophe gewesen, Down Under gewesen zu sein und nicht behaupten zu können, die Sonne sei hier einfach anders… nach Kaffe und Keksen “gemütlich” (also schaukelnd wie immer) zurück zu Kingfisher Bay… so gehen denn auch 3 Tage auf der größten Sandinsel der Welt langsam aber sicher zu Ende…
Und mittlerweile ist mehr als die Hälfte des Urlaubs vorbei… weiss noch gar nicht so recht, ob ich das gut finden oder bedauern soll… denn das Becks gestern Abend (auch wenns in Sydney gebraut wurde) war schon lecker… und auf einen Schweinebraten hätt ich jetzt auch echt Bock… aber dazwischen liegen grade fast 17500km und noch ein Kontinent… auf der Rückfahrt (quer über die Insel von Ost nach West) fällt der Wechsel in der Vegetation auf: wächst die Insel doch auf der Ostseite kontinuierlich weiter, ist die Vegetation hier nicht älter als 200 Jahre… je weiter ins Inselinnere es geht, umso älter (und größer) wird die Vegetation. Am Westufer ist dann seit mindestens 700000 Jahren Grün vorhanden… 4.10pm, thats it! Nachdem wir angekommen sind, noch schnell den Bustrip nach Brisbane bestätigt (hatte ich doch das letzte mal, als ich auf der Insel Empfang hatte, die Greyhound-Buchungsnummer nicht dabei)… und ich will bei so einem Urlaub wirklich nicht rummaulen, aber irgendwie hab ich in ein oder 2 Tagen keinen Bock auf den geplanten Urwaldtrip… ist der auf Fraser doch einfach Klasse und wird sich 300km weiter südlich an der Vegetation nicht so viel geändert haben… mal sehn, was sich da drehen lässt… hätt ich doch gern ein wenig Zeit mehr in Sydney…
Um 5pm steigen alle anderen auf die Fähre, da der Greyhound aber erst heute nacht um 1.25am geht, bleib ich noch bis 8pm auf der Insel… “Gönne” mir noch einen 2km Fußmarsch zu einem lookout, von hier sieht man aber vom Sunset gar nix… also wieder runter an den Strand… auch wenn im Westen jetzt Wolken aufziehen, ein Farbspektakel wirds sicher… und genauso wars dann auch: der Himmel hat gebrannt… Fast zu schade, dass niemand dabei war, den ich kannte… mit mehreren wärs sicher noch ein klein wenig schöner gewesen…
Nach dem Sonnenuntergang ein kleiner Gewaltmarsch den “heart attack hill” zum Buffet hoch, was gefuttert und genauso den Hügel wieder runter zum Jetty und der Fähre… nebenbei bemerkt, im Moment stehen Mars und Venus in Junktion, sieht man auch nicht alle Tage am Abendhimmel… und vor 3 oder 4 Tagen haben die beiden mit der Monsichel zusammen einen Smilie produziert… um kurz nach 8 auf die Fähre, nach 45min um kurz nach 9pm wieder Festland unter den Füssen, Rucksack organisiert und am Bus-Terminal abgesetzt… kurz die Sachen sortiert, den heutigen Eintrag getippt und auf den Bus gewartet…
Nach einigen Bierchen gestern abend in gemütlicher Runde (2 Briten, 2 Iren und einer Australierin (ja, auch die machen im eigenen Land Urlaub)) früh ins Bett. Der Wecker klingelt unbarmherzig um 7am. Die Ziakaden machen einen Heidenlärm… fertigmachen und Frühstücken… Müsli ist was für squirrelsBei Rührei, Speck, Sausages und french toast in der Früh muss man sich immer wieder über den Lebenswandel woanders wundern… Müsli und Cornflakes ist hier was für “squirrels”…
Um 8am geht die Tour zu Tag 2 los: erstmal quer über die Insel zu einem Sandblow, einer riesigen Wanderdüne, die den Regenwald unter sich begräbt, 3m pro Jahr wandert… und von da weiter auf den 75mile beach, der aber nur 58 Meilen lang ist… überall kleine Süsswasserbäche, die ins Meer fliessen. Besteht die Insel doch in ihrer Gesamtmasse doch zu 30% aus Süßwasser! Rechts vom Bus im Osten der Südpazifik (“swimming not recommended”, gibts hier doch viele Haie: Bullen-, Tiger- und Hammerhaie, da die Küste vor Fraser Island (hier gibts so viele Haie wie an sonst kaum einer Küste in Australien!) ein grosser Laichplatz für alle Beutefische ist)… und dann gibts am Strand wieder so eine “lifetime chance”: ein 15min Rundflug über Fraser-Island… witzig, einfach mal so vom Strand zu starten und landen… auf jeden Fall eine sehr gute Entscheidung, seh ich doch so die sandblows, perched seas und den Rest des Regenwaldes von oben! Nach der Landung (natürlich wieder auf dem Strand) am Mahena-Wreck wird womit mitten im Nichts gezahlt, wenn nicht cash? Genau, mit der Kreditkarte…
Das Wrack hat schon was… der Taucher stellt sich das Ganze natürlich unter Wasser vor! Danach gibts einen 5min Stopp an den “Pinnacles”, bunter Sand, thats it… weiter gehts, 45 min weiter nordwärts zu den “champagne pools”, untermalt mit der “Aussie-Playlist”, da darf natürlich das “land down-under” nicht fehlen… der perfekte Moment, auf den Ozean zu schauen und den eigenen Gedanken nachzuhängen…
Am Indian Head angekommen, kommt der Bus vor lauter Sand nicht um die Kurve… also zum Gewicht verringern, alle aussteigen.. .aber auch das bringt nix… also wird umdisponiert: zuerst gibts lunch am Strand, dann gehts den Indian Head rauf (einen der wenigen Felsen auf der Insel, aber der besteht auch nicht aus “echtem” Stein, sondern aus “coffee rock”, (über Äonen) komprimierten Pflanzenrückständen mit Sand gemischt… zerbröselt in der Hand wie Kaffee)… von hier aus einen klasse Blick über den Strand und ins Flachwasser, sehen mehrere Stingrays von oben im Wasser… nette Klippen, steil nach unten gehts hier…
Nachdem der Bus ja wegen des soft sand nicht um die Kurve kommt, steht ein gut 30minütiger Fußmarsch zu den “champagne pools” an: barfuss durch den Sand am Strand entlang… relativ am Anfang gleich ein echter Dingo: liegt am Strand und wartet auf Futter von den Campern… im Wasser einen Adlerrochen oder einen Manta gesehen, so genau lässt sich das durch die Wellen nicht sagen…
Dann gehts zum Baden in den “champagne pools”, nicht ohne die vorher obligatorische Warnung vor Gefahren und dem Hinweis: “Help can be hours away”: kleine, von Fels vom Meer abgetrennte Becken, in die die Wellen der “high tide” einfach überschwappen… sieht wirklich wie schäumender Champagner aus… eine Stunde Aufenthalt und dann genau denselben Weg am Strand zurück zu Bus… hier wartet auch schon der Dingo von vorhin auf und (Wiedererkennungswert dank Tag im Ohr sehr gut)… scheint ein Alpha-Tierchen zu sein, keine Rippen zu sehen, wohlgenährter Bursche…
Langsam zieht im Südwesten der Himmel zu,… gut dass wir uns den Sonnenuntergang gestern “gegönnt” haben! Auf dem Weg zum Eli Creek ein 30min Powernap hingelegt… am Creek angekommen wirds zunehmend Wolkiger und dämmrig…letztlich auch (ein klein wenig) kälter… nach Kaffe (immer diese ich-lös-meinen-Kaffe-selber-auf– Plörre) und Muffins ´. Danach gehts weiter am Strand entlang, das ganze mit schönem Blick auf die aufziehende Gewitterfront… die letzten 30km wieder ein “bumpy ride” quer über die Insel… zwischendrin mal fast ganz festgefahren, erntet Hayden Applaus dafür, dass wir nicht schaufeln und schieben müssen…
Nach dem Duschen (heute früher) Abendessen, danach ein paar Bierchen mit den Jungs und Mädels von gestern und einer Runde Billard… und dann gegen 10pm gen Heimat, die letzten beiden Einträge abtippen und dann ganz schnell Sachen packen und für morgen fertigmachen, steht doch morgen nicht nur ein Tag im Bus auf der Insel an sondern auch eine Nacht auf der Strasse im Greyhound an…
Gestern Abend ist noch ein Münchner (schon wieder!) in unser Dorm eingezogen. Und was machen 2 Jungs aus München abends um Zehn? Genau! Noch n Bierchen trinken! Nur dass in Hervey Bay um 10pm alle Bordsteine hochgeklappt werden… am Ende nach längerem Marsch das Schild eines Hostels (“only guests after 7pm”) ignoriert und an der Bar mit einer Holländerin und einer Östereicherin gemütlich 2 Jugs Victoria Bitter gezischt…
Heute früh raus, Sachen zusammengepackt, Kaffe organisiert. Um kurz vor 8am Pickup… einchecken an der Fähre, nur das nötigste für den heutigen Tag (Kamera, Sonnencreme und Badesachen) mitnehmen, 30min übersetzen. Erstmal durch unseren Ranger prüfen, ob auch alle da sind und keine special needs beim Essen haben political correctness mal anders (“you’re a veggie?” in AUS gehts das, überall anders wären die Leute “offended” gewesen, aber die Aussies haben ihre eigene “political corectness”). Erster Eindruck von Fraser Island. Ganz schnell security briefing für das Verhalten im Bus, gaanz wichtig: Anschnallen! Gehts doch über Sand”strassen”… kurz am Zaun, der das Resort umgibt und vor der “Wildnis” und den Dingos schützen soll halt gemacht. Aber der Zaun bringt laut Guide Hayden gar nix, sind die Jungs doch viel zu clever…
Und los geht die holperige Fahrt. Erstmal den “Rollercoaster” runter, musikalisch untermalt mit “We’re all gonna die someday!”.
Angehalten für einen kleinen Bushwalk, quer durch den tropical rainforest gehts nach 3km über einen kleinen Creek… hierdrin finden sich Aale und Catfish… auf der kleinen Brücke steht eine Skulptur einer deutschen Künstlerin aus dem Jahre 2004, trotzdem noch mit “Western Germany” belabelt… unterwegs festgestellt, dass es hier sogar (für alle Kenner des Herrn der Ringe) Ents gibt… nach weiteren 1,5km treffen wir uns wieder mit unserem Guide… und der beweist mal wieder Aussie-Humor und deponiert eine Plastikschlange am Ende des Walkingtrails…
Weiter geht der “bumpy ride” zu Lake McKenzie, einem der 40 Süsswasserseen der Insel (die im übrigen nichts anderes ist, als ein riesiger Haufen Sand, keine Erde, kein Felsen, kein Mutterboden)… hier gibts Lunch, unterm Tisch zischt ein Lizard vorbei… und dann 3 Stunden Zeit, in Lake McKenzie zu schwimmen… genauso idyllisch wie auf den Fotos, die ich schon vorher gesehen hab: klarstes Wasser (da kann selbst der Eibsee nicht mithalten), weisser Sandstrand und drumherum tropische Vegetation… das Ganze gewürzt mit strahlend blauem Himmel ohne eine einzige Wolke… so lässt es sich ziemlich genau 17500km von zuhause in der Vorweihnachtszeit ganz gut aushalten… Wünschte, der eine oder andere wäre mit hier, um das zu teilen… Das ist sicher einer der Orte, bei denen man die wahre Schönheit erst begreift, wenn man längst schon wieder zu Hause ist…
Kurz nach 4pm gehts wieder Richtung Resort zurück und dabei über die Busanlage Musik auf die Ohren: was passt in einem 4WD-Bus auf einer Sandinsel besser als Metallica’s ”Enter Sandman”? Kurz am Souvenirshop der Insel haltgemacht, bekommen unsere keys. Kurze Einweisung, wann es wo etwas zu Futtern gibt, und dann bei strahlendem Sonnenschein runter zum Pier, den ersten richtigen Sonnenuntergang angucken. Der war echt traumhaft… Postkartenmotiv! Geniale Farben… Danach noch kurz ein Bierchen und ab zum Buffet mit dem Shuttlebus der Insel, gibts doch ab 8pm nix mehr… oder eben früher… wie sich kurz darauf herausstellen sollte… naja, es hat gerade gereicht…
Die Lodge selber ist nicht das versprochen 4-Sterne Etwas, da war der Rezeptionist im Hostel wohl falsch informiert… wär für den Preis auch ein Wunder gewesen… aber mir langts dicke! Noch schnell Duschen und dann das eine oder andere weitere Bierchen unten an der Bar gegönnt… und einigermassen zeitig in die Falle, war der Tag doch anstrengend genug…
Nach einer Nacht mit einer 19jährigen Abiturientin aus Berlin (die anderen beiden Betten sind bislang noch leer) auf einer völlig durchgelegenen Matratze in einem quietschenden Metalldoppelstockbett klingelt der Wecker sportlich früh um halb 7… erster Blick durch das Fenster (das sich nicht komplett schliessen lässt): Wetter immer noch mau, wie auch nicht anders zu erwarten war… also fertig machen, kurz mit daheim telefoniert, und vor dem Hostel auf den Tourbus warten. Yuck! Ist das kalt heute! Ich dachte, hier ist Sommer?
Der Fahrer und Tourguide Jon ist ein schräger Vogel, führt Selbstgespräche… australian painkillermitten im Outback würd ichs ja verstehen, vielleicht liegts am Linksverkehr… Spaß beiseite, Jon ist n cooler Hund… erstmal alle Hostels und Hotels für den Pickup abklappern, dann gehts zuerst in Geelong in ein “Aboriginal Cultural Center”: 70000 Jahre Kultur in 30min… “Knola Knola (sprich nola nola) ist eine Keule, um erlegtes Wild final zu erschlagen, und das erste Aspirin Australiens… wem was wehtat, der bekam eins übergebraten und schon hat er nix mehr gespürt (und nicht mehr gemault)… zu Risiken und Nebenwirkungen… hier gibts im Souvenirshop gleich wieder ein Beispiel für australischen Humor: “any shoplifters free ride in police car”…
Weiter gehts an die Surfcoast, wo in Torquay an Bells Beach Quicksilver und Ripcurl entstanden sind und Ripcurl nach wie vor seinen weltweiten Hauptsitz hat… bekommen von Jon (selber ein passionierter Surfer) “a little history of surfing”, natürlich werden alle Storys (auch die späteren) mit den richtigen Sound vom Tour-iPod untermalt… also weiter zum Stop an Bells Beach, auf dem Weg dahin tauchen meine ersten wilden Kangaroos auf, zwar in der Ferne und ohne Jon hätten wir die alle nicht gesehn, aber es sind wilde ‘Roos… an Bells Beach selber ists windig und kalt, hat hohe Wellen, keinen “life saving service” und ein Klohäuschen, das keiner von uns (ohne Jons Hinweis) als solches erkannt hätte, ist es doch mit “aboriginal art” verschönert worden. Ein bischen weiter runter ist hier in der Ecke Mad Max gedreht worden, das Haus in dem Mel Gibson damals wohnte, steht noch, die anderen sind einem Buschbrand zum Opfer gefallen…
Witzigerweise kommt während der Fahrt Jon (warum auch immer) auf die hohen Wasserpreise in Melbourne zu sprechen, er versteht das auch nicht… er meinte ganz trocken, das Bier billiger sei als Wasser, auch wenn für die Bierproduktion (wg des ganzen Waschens) 3mal mehr Wasser als im Endprodukt vorhanden gebraucht wird…
Kommen zum Begin der “echten” Great Ocean Road, einem WW I Memorial Arch, ist doch die Great Ocean Road von den Veteranen des 1. Weltkrieges (weils sonst keine andere Arbeit gab) gegen Essen und Unterkunft komplett in Handarbeit, ohne jegliche Maschinen die Küste entlang in den Fels gehauen worden… und jetzt den gefallenen des 1. Weltkrieges gewidmet… Auch hier der obligatorische 10min Foto-Stop, kurz runter zum Strand, und gleich wieder weiter… ein wenig stressig das ganze, aber sicher besser so, als im mindestens genauso teuren Mietauto planlos rumzugurken und ohne die Spots zu kennen…
Langsam aber sicher wird das Wetter noch schlechter, es regnet sich ein, leichter Neben zieht vom Meer auf, beinahe schon eine düstere Stimmung und wir bekommen von Jon die Aussicht auf eine Geschichte, die er uns passend zum Wetter (weils sich bei einem solchen oder noch schlechteren Wetter ereignet haben soll) zum Ende des Tages erzählen will… so schlimm find ich das Wetter jetzt nicht, weils doch recht stimmungsvoll ist, irgendwie passts auch zur Landschaft. Auch wenn man es wiedermal unverbesserlichen Optimismus nennen könnte (sicher würde der eine oder andere das auch einfach nur als Scheißwetter bezeichnen), das Gesamtpaket stimmt einfach… und zum Fotografieren ists auch mal nett, kein ewiges Geschraube mit dem Polfilter, keine scharfen Farb- und Schattenübergänge und an den Felsen kommen die Texturen dank Nässe viel besser raus… zudem hats wie gesagt einfach Atmosphäre…
Kurzer Stop in einem Naturschutzgebiet für Koalas, tropfend hockt er in einem Eukalyptus und rührt sich nicht… kaum ausgestiegen, werden wir von einem Haufen Vögel “überfallen”… die “Princess Parrots” wollen gefüttert werden. Einfaches Prinzip: man nehme einen Keks, halte ihn gut fest (!), strecke den Arm aus, warte wenige Sekunden bis sich ein Papagei auf deinem Arm (oder Kopf oder Schulter) niederlässt und du bekommst deine Nahaufnahme… Zackig zurück zum Bus, fängst doch jetzt an zu giessen… kurz darauf beitet Cape Patton Lookout nochmal einen stimmungsvollen Ausblick…
Mittagspause in Apollo Bay, die originale Great Ocean Road wurde bis hierhin gebaut… auch hier kurz an den Strand nach dem Essen und nachdem wir schon an der “surf coast” waren gehts jetzt die “green coast” entlang… Green deswegen, weil das hier eine der feuchtesten Gegenden Victorias ist (und das wg des Regens, nicht etwa weils eine Sumpflandschaft wäre)… kurzer “Rainforest Walk”, ganz schön hohe Bäume, z.T. 400Jahre alt, Farne, Moose und was sich sonst noch so im Urwald befindet… wie passend, sich in namensgebendem Wetter im Regenwald zu bewegen… bevors zu nass wird, mit den matschigen Schuhen wieder in den Bus und weiter… steht doch das Highlight noch aus… die Strasse im Übrigen jetzt nicht mehr an der Küste entlang und nicht mehr in den Fels gehauen, zieht sich mitten durch den Dschungel… und so schnell wie er angefangen hat, muss er Feld und Weideland weichen… weiter gehts zur “shipwreck coast”…
Unterwegs immer wieder eine feine Einrichtung: grössere Buchten, die “slow vehicle turnouts”, damit grosse langsame Kästen die anderen auf der kurvenreichen Strasse nicht behindern, können die da mal kurz rausziehen und den ganzen Verkehr dahinter vorbeilassen… irgendwann taucht auch mein erstes (und so berühmtes) “Achtung Känguruus!”-Schild auf… und dann kommt er, der langersehnte Stop an den 12 Aposteln. Pünktlich hören die Schauer auf, kaum sind wir aus dem Auto gestiegen, reisst die Wolkendecke ein erstes Mal auf und die Sonne zeigt sich wie bestellt für 5min… beeindruckend, was Wind, Wetter und Wellen aus dem Stein geschliffen haben… momentan gibts noch 8 von ehemals 18, der letzte ist erst vor wenigen Jahren eingestürzt, die Überreste kann man noch erkennen…
5min hinter den 12 Aposteln ist “Loch Ard Gorge”, die Stelle, an der die Loch Ard auf dem Weg von England nach Melbourne aufs Riff gelaufen und mit Mann und Maus (bis auf Tom Pearce und Eva Carmichael) untergegangen ist… die Geschichte erzählt Jon uns danach (hier gibts die bei Wikipedia) und setzt mich und 2 Canadische Frauen an der Helikopterstation ab, haben wir uns doch entschlossen, einen Heli Ride über die Küste zu machen… Kurz vor dem TakeOff zieht die Wolkendecke wieder auf, ein diesmal grösseres blaues Loch macht den Weg für die Sonne frei… definitiv die am besten angelegten 70 Bucks bisher… hoch über Loch Ards Gorge die Küste nach Osten, bis zu den 12 Aposteln und im grossen Bogen wieder zurück… Great View! nach 7min ist der Zauber zwar schon wieder vorbei, wert wars das allemal! Da sind sicher tolle Aufnahmen dabei! Die Helicrew fährt uns drei dann zum Viewpoint, wo die andern sind… hier das ganze Spielchen nochmal bodengebunden… und der Himmel zieht wieder zu, es fängt wieder zu regnen an… da muss es heute jemand mit mir gut gemeint haben!
Als letzter Punkt an der Küste folgt die London Bridge, die 1990 noch genauso aussah, wie sie heisst: 2 Bögen mit dem Festland verbunden. An jenem besagten tag waren eine Schulklasse und ein Pärchen dort zum Sightseeing, alle waren auf der Londonbridge, auf dem 2ten Bogen… Die Schulklasse marschiert wieder los, als der Busfahrer losfährt, schaut er nochmal kurz in den Rückspiegel und schaut beim Kollaps des ersten Bogens zu (das ganze übrigens am einem sonnigen, windstillen Tag)… das Pärchen noch auf Bogen 2, jetzt vom Festland abgeschnitten. Also informiert der Busfahrer den örtlichen ranger, der hält das für einen Witz und glaubts erst, als erst mit eigenen Augen sieht. Der informiert dann den örtlichen Polizeichef, der glaubts auch erst nach Bestätigung seiner Deputys… also ein Helikopter muss her… aber der eine wird bei dem schönen Wetter endlich mal gewartet, der andere hilft in Melbourne aus…. also muss der lokale Nachrichtensender mit seinem News-Heli herhalten. Die machen das natürlich sofort, ist ja auch ein Kameramann dabei und das ganze eine Riesenstory… Kaum ist der Heli auf der Londonbridge, versteckt sich das Pärchen erst in den Büschen, dann kommt der Mann doch aus seiner Deckung und verprügelt erstmal den Kameramann… Wochen später wurde dann auch das Geheimnis um die Sidestory des Pärchens gelüftet: beide haben die Arbeit blaugemacht, um einen schönen Tag miteinander zu verbringen… aber es kommt noch besser: beide waren verheiratet, aber nicht miteinander… wieder im Bus gibts passend dazu eine musikalische Untermalung aus dem iPod:
Nach 330km gehts jetzt Retour, nebenbei festgestellt, dass Vodaphone Australia hier draussen keinen Service mehr anbietet, aber man muss ja nicht permanent erreichbar sein… kurzer Essensstop in Colac… weiter durchs Inland, erinnert alles ein wenig (wie schon auf dem Greyhoundtrip von Sydney nach Melbourne) an Bilder von der afrikanischen Steppe, darin eine Straße, die sich schnurgerade, egal ob bergauf oder bergab dahinzieht.. 20km vor Melbourne zeigt sich dann die wolkenverhangene Skyline aus der Ferne… um 09:00pm nach 560km Tour vorm Hostel abgesetzt, jetzt also gilt es, das ganze Geschreibsel in digitale Form zu pressen, die Fotos zu sichten , emails lesen und vll. auch mal die Konten checken… a lot of work to do… mittlerweile Neuzugänge im Zimmer, ein junger Kerl aus Japan und ein Mädel aus Korea… bei denen bin ich um 23:00 der Nachtschwärmer, als ich losziehe um den Eintrag noch schnell hochzuladen…
Trotz Erkältung recht gut geschlafen, gegen 07:00 vom Urwaldsound wie in Dolby DigitalUrwaldsound in Dolby Digital geweckt worden, nochmal umgedreht und um 10:00 angefangen, jedes einzelne Teil aus meinem Rucksack in die Hand zu nehmen, auszuschütteln und wieder in die Säcke und dann in die Rucksäcke zu verstauen… Will ich doch weder einen Bruder noch eine Schwester der Kakerlake von Gestern mit heimnehmen (und nachdem weder die Rucksäcke noch die anderen Packsäcke geschlossen waren, muss man eben zu "drastischen" Massnahmen greifen… und dann auch daheim das ganze Gepäck auf dem Balkon (in der Eiseskälte) auspacken). Ein wenig chillen auf dem Balkon, letze Aussicht auf den Regenwald geniessen, schnell unter die Dusche und dann so langsam marschfertig machen…
Nach dem Mittagessen (währendessen lädt der Laptopakku an der Bar) gegen 15:00 wieder vor zur Landstrasse, auf den Bus warten (der Rucksack steht derweil als "grosses" Haltesignal für den Bus am Strassenrand). Der Bus kam dann auch glatt 20 min später, schnell schnell die Rucksäcke ins Gepäckfach und weiter gehts.
Im Bus diesmal nicht nur laute Musik im "Hintergrund", nein jetzt läuft auch ein Video dazu: ein Livekonzert eines thailändischen Tom Jones Verschnitts. Nach 2 Stunden Fahrt durch anfangs noch "Nationalpark"-Landschaft, wirds mit der Zeit zunehmend "zivilisierter": die Landstrasse bekommt statt einer Spur pro Richtung langsam aber sicher 4 Spuren pro Seite. "Tom Jones" hat jetzt auch Feierabend, dafür gibts nun nur noch Musik. Irgendwann wird mir auf thailändisch zugewinkt (ein Westler, ders noch nicht kennt, würde es als "langsam, bleib noch sitzen" deuten)… hier gehts wohl raus… also den Rucksack aus dem Gepäckfach reissen, der ist nun nass und klebt, denn die Melonen, die lose neben (und wohl irgendwann auch unter) meinem Rucksack lagen, sind nicht mehr ganz jungfräulich…
Quer über die Strasse ist der Bahnhof, und dort soll ich jetzt gute 6 Stunden auf den Zug warten… oder eben doch nicht, denn glücklicherweise kann ich mein Ticket gegen eines für einen früheren Zug tauschen… kostet zwar insgesamt 150 Baht mehr und ich muss oben schlafen, aber dafür kann ich 3 Stunden eher los… während des Wartens ein wenig "Industrieromantik" mit Sonnenuntergang am Bahnhof (das hatte ich hier auch noch nicht)… um 20:30 kommt der Zug, Rucksack auf und rein in den richtigen Waggon. Unter meinem sleeper wird schon geschlafen, den grossen Rucksack in den kleinen Platz zwischen den Betten gepackt, den kleinen (mit den Wertsachen) mit ins Bett genommen… dann gibts noch ein Abendessen, das im Hochbett ganz thailändisch knieend gefuttert…
Dann Vorhang zu, vom Geklapper nach Möglichkeit nicht stören lassen (scheint schon ein paar Jahre auf dem Buckel zu haben, der Waggon), das Buch ausgelesen und dann: Licht aus, Erkältung weiter auskurieren (geht sicher wunderbar in der 1st class mit aircon), morgen um halb 9 bin ich gute 530km weiter nördlich in Bangkok, die letzten 2 Tage brechen an…