BackpackersBlog

Ein Reisetagebuch und mehr…

Nov
20

Great Ocean Road


Nach einer Nacht mit einer 19jährigen Abiturientin aus Berlin (die anderen beiden Betten sind bislang noch leer) auf einer völlig durchgelegenen Matratze in einem quietschenden Metalldoppelstockbett klingelt der Wecker sportlich früh um halb 7… erster Blick durch das Fenster (das sich nicht komplett schliessen lässt): Wetter immer noch mau, wie auch nicht anders zu erwarten war… also fertig machen, kurz mit daheim telefoniert, und vor dem Hostel auf den Tourbus warten. Yuck! Ist das kalt heute! Ich dachte, hier ist Sommer?

Der Fahrer und Tourguide Jon ist ein schräger Vogel, führt Selbstgespräche… australian painkiller mitten im Outback würd ichs ja verstehen, vielleicht liegts am Linksverkehr… Spaß beiseite, Jon ist n cooler Hund… erstmal alle Hostels und Hotels für den Pickup abklappern, dann gehts zuerst in Geelong in ein “Aboriginal Cultural Center”: 70000 Jahre Kultur in 30min… “Knola Knola (sprich nola nola) ist eine Keule, um  erlegtes Wild final zu erschlagen, und das erste Aspirin Australiens… wem was wehtat, der bekam eins übergebraten und schon hat er nix mehr gespürt (und nicht mehr gemault)… zu Risiken und Nebenwirkungen… hier gibts im Souvenirshop gleich wieder ein Beispiel für australischen Humor: “any shoplifters free ride in police car”…

20.11.blog 001 Weiter gehts an die Surfcoast, wo in Torquay an Bells Beach Quicksilver und 20.11.blog 002Ripcurl entstanden sind und Ripcurl nach wie vor seinen weltweiten Hauptsitz hat… bekommen von Jon (selber ein passionierter Surfer) “a little history of surfing”, natürlich werden alle Storys (auch die späteren) mit den richtigen Sound vom Tour-iPod untermalt…  also weiter zum Stop an Bells Beach, auf dem Weg dahin tauchen meine ersten wilden Kangaroos auf, zwar in der Ferne und ohne Jon hätten wir die alle nicht gesehn, aber es sind wilde ‘Roos… an Bells Beach selber ists windig und kalt, hat hohe Wellen, keinen “life saving service” und ein Klohäuschen, das keiner von uns (ohne Jons Hinweis) als solches erkannt hätte, ist es doch mit “aboriginal art” verschönert worden. Ein bischen weiter runter ist hier in der Ecke Mad Max gedreht worden, das Haus in dem Mel Gibson damals wohnte, steht noch, die anderen sind einem Buschbrand zum Opfer gefallen…

Witzigerweise kommt während der Fahrt Jon (warum auch immer) auf die hohen Wasserpreise in Melbourne zu sprechen, er versteht das auch nicht… er meinte ganz trocken, das Bier billiger sei als Wasser, auch wenn für die Bierproduktion (wg des ganzen Waschens) 3mal mehr Wasser als im Endprodukt vorhanden gebraucht wird…

20.11.blog 003 Kommen zum Begin der “echten” Great Ocean Road, einem WW I Memorial Arch, ist doch die Great Ocean Road von den Veteranen des 1. Weltkrieges (weils sonst keine andere Arbeit gab) gegen Essen und Unterkunft komplett in Handarbeit, ohne jegliche Maschinen die Küste entlang in den Fels gehauen worden… und jetzt den gefallenen des 1. Weltkrieges gewidmet… Auch hier der obligatorische 10min Foto-Stop, kurz runter zum Strand, und gleich wieder weiter… ein wenig stressig das ganze, aber sicher besser so, als im mindestens genauso teuren Mietauto planlos rumzugurken und ohne die Spots zu kennen…

20.11.blog 004 Langsam aber sicher wird das Wetter noch schlechter, es regnet sich ein, leichter Neben zieht vom Meer auf, beinahe schon eine düstere Stimmung und wir bekommen von Jon die Aussicht auf eine Geschichte, die er uns passend zum Wetter (weils sich bei einem solchen oder noch schlechteren Wetter ereignet haben soll) zum Ende des Tages erzählen will… so schlimm find ich das Wetter jetzt nicht, weils doch recht stimmungsvoll ist, irgendwie passts auch zur Landschaft. Auch wenn man es wiedermal unverbesserlichen Optimismus nennen könnte (sicher würde der eine oder andere das auch einfach nur als Scheißwetter bezeichnen), das Gesamtpaket stimmt einfach… und zum Fotografieren ists auch mal nett, kein ewiges Geschraube mit dem Polfilter, keine scharfen Farb- und Schattenübergänge und an den Felsen kommen die Texturen dank Nässe viel besser raus… zudem hats wie gesagt einfach Atmosphäre…

20.11.blog 005 Kurzer Stop in 20.11.blog 006 einem Naturschutzgebiet für Koalas, tropfend hockt er in einem Eukalyptus und rührt sich nicht… kaum ausgestiegen, werden wir von einem Haufen Vögel “überfallen”… die “Princess Parrots” wollen gefüttert werden. Einfaches Prinzip: man nehme einen Keks, halte ihn gut fest (!), strecke den Arm aus, warte wenige Sekunden bis sich ein Papagei auf deinem Arm (oder Kopf oder Schulter) niederlässt und du bekommst deine Nahaufnahme… Zackig zurück zum Bus, fängst doch jetzt an zu giessen… kurz darauf beitet Cape Patton Lookout nochmal einen stimmungsvollen Ausblick…

20.11.blog 007 Mittagspause in Apollo Bay, die originale Great Ocean Road wurde bis hierhin gebaut… auch hier kurz an den Strand nach dem Essen und nachdem wir schon an der “surf coast” waren gehts jetzt die “green coast” entlang… Green deswegen, weil das hier eine der feuchtesten Gegenden Victorias ist (und das wg des Regens, nicht etwa weils eine Sumpflandschaft wäre)… kurzer “Rainforest Walk”, ganz schön hohe Bäume, z.T. 400Jahre alt, Farne, Moose und was sich sonst noch so im Urwald befindet… wie passend, sich in namensgebendem Wetter im Regenwald zu bewegen… bevors zu nass wird, mit den matschigen Schuhen wieder in den Bus und weiter… steht doch das Highlight noch aus… die Strasse im Übrigen jetzt nicht mehr an der Küste entlang und nicht mehr in den Fels gehauen, zieht sich mitten durch den Dschungel… und so schnell wie er angefangen hat, muss er Feld und Weideland weichen… weiter gehts zur “shipwreck coast”…

20.11.blog 008 Unterwegs immer wieder eine feine Einrichtung: grössere Buchten, die “slow vehicle turnouts”, damit  grosse langsame Kästen die anderen auf der kurvenreichen Strasse nicht behindern, können die da mal kurz rausziehen und den ganzen Verkehr dahinter vorbeilassen… irgendwann taucht auch mein erstes 20.11.blog 009(und so berühmtes) “Achtung Känguruus!”-Schild auf… und dann kommt er, der langersehnte Stop an den 12 Aposteln. Pünktlich hören die Schauer auf, kaum sind wir aus dem Auto gestiegen, reisst die Wolkendecke ein erstes Mal auf und die Sonne zeigt sich wie bestellt für 5min… beeindruckend, was Wind, Wetter und Wellen aus dem Stein geschliffen haben… momentan gibts noch 8 von ehemals 18, der letzte ist erst vor wenigen Jahren eingestürzt, die Überreste kann man noch erkennen…

20.11.blog 010 5min hinter den 12 Aposteln ist “Loch Ard Gorge”, die Stelle, an der die Loch Ard auf dem Weg von England nach Melbourne aufs Riff gelaufen und mit Mann und Maus (bis auf Tom Pearce und Eva Carmichael) untergegangen ist… die Geschichte erzählt Jon uns danach (hier gibts die bei Wikipedia) und setzt mich und 2 Canadische Frauen an der Helikopterstation ab, haben wir uns doch entschlossen, einen Heli Ride über die Küste zu machen… 20.11.blog 011 Kurz vor dem TakeOff zieht die Wolkendecke wieder auf, ein diesmal grösseres blaues Loch macht den Weg für die Sonne frei… definitiv die am besten angelegten 70 Bucks bisher… hoch über Loch Ards Gorge die Küste nach Osten, bis zu den 12 Aposteln und im grossen Bogen wieder zurück… Great View! nach 7min ist der Zauber zwar schon wieder vorbei, wert wars das allemal! Da sind sicher tolle Aufnahmen dabei! Die Helicrew fährt uns drei dann zum Viewpoint, wo die andern sind… hier das ganze Spielchen nochmal bodengebunden… und der Himmel zieht wieder zu, es fängt wieder zu regnen an… da muss es heute jemand mit mir gut gemeint haben!

20.11.blog 012 Als letzter Punkt an der Küste folgt die London Bridge, die 1990 noch genauso aussah, wie sie heisst: 2 Bögen mit dem Festland verbunden. An jenem besagten tag waren eine Schulklasse und ein Pärchen dort zum Sightseeing, alle waren auf der Londonbridge, auf dem 2ten Bogen… Die Schulklasse marschiert wieder los, als der Busfahrer losfährt, schaut er nochmal kurz in den Rückspiegel und schaut beim Kollaps des ersten Bogens zu (das ganze übrigens am einem sonnigen, windstillen Tag)… das Pärchen noch auf Bogen 2, jetzt vom Festland abgeschnitten. Also informiert der Busfahrer den örtlichen ranger, der hält das für einen Witz und glaubts erst, als erst mit eigenen Augen sieht. Der informiert dann den örtlichen Polizeichef, der glaubts auch erst nach Bestätigung seiner Deputys… also ein Helikopter muss her… aber der eine wird bei dem schönen Wetter endlich mal gewartet, der andere hilft in Melbourne aus…. also muss der lokale Nachrichtensender mit seinem News-Heli herhalten. Die machen das natürlich sofort, ist ja auch ein Kameramann dabei und das ganze eine Riesenstory… Kaum ist der Heli auf der Londonbridge, versteckt sich das Pärchen erst in den Büschen, dann kommt der Mann doch aus seiner Deckung und verprügelt erstmal den Kameramann… Wochen später wurde dann auch das Geheimnis um die Sidestory des Pärchens gelüftet: beide haben die Arbeit blaugemacht, um einen schönen Tag miteinander zu verbringen… aber es kommt noch besser: beide waren verheiratet, aber nicht miteinander… wieder im Bus gibts passend dazu eine musikalische Untermalung aus dem iPod:

20.11.blog 013 Nach 330km gehts jetzt Retour, nebenbei festgestellt, dass Vodaphone Australia hier draussen keinen Service mehr anbietet, aber man muss ja nicht permanent erreichbar sein… kurzer Essensstop in Colac… weiter durchs Inland, erinnert alles ein wenig (wie schon auf dem Greyhoundtrip von Sydney nach Melbourne) an Bilder von der afrikanischen Steppe, darin eine Straße, die sich schnurgerade, egal ob bergauf oder bergab dahinzieht.. 20km vor Melbourne zeigt sich dann die wolkenverhangene Skyline aus der Ferne… um 09:00pm nach 560km Tour vorm Hostel abgesetzt, jetzt also gilt es, das ganze Geschreibsel in digitale Form zu pressen, die Fotos zu sichten , emails lesen und vll. auch mal die Konten checken… a lot of work to do… mittlerweile Neuzugänge im Zimmer, ein junger Kerl aus Japan und ein Mädel aus Korea… bei denen bin ich um 23:00 der Nachtschwärmer, als ich losziehe um den Eintrag noch schnell hochzuladen…

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Kategorie: Melbourne und Australien und Unterwegs | Kommentare (0)

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