Jun
03
Nach einer sehr kurzen Nacht (hat das Hochladen der Wüstenfotos doch länger gedauert als gedacht und haben die Moskitos wieder arg genervt) um 05:25 raus und um Viertel vor Sechs vor dem Hostel auf Taxisuche gemacht… am Ende in ein dort gerade haltendes Auto eingestiegen. Der Fahrer füllt erstmal neues Kühlwasser ein… vertrauenerweckend… genau wie die Befestigung der Motorhaube: mit einem Draht um die Kühlerfigur gewickelt und am Rahmen festgemacht… und los geht die Fahrt: Höllenritt durch KairoIch bin ja mittlerweile wirklich schon was gewohnt, aber das hier ist selbst für mich harter Tobak, Luftanhalten und Kurzatmigkeit garantiert… mit gemessenen 110, aber gefühlten 200km/h gehts in der Rostlaube in bester Schumacher-Manier durch den morgendlichen Verkehr in Kairo… rechts überholen, links schneiden und immer im Zick-Zack mit High-Speed durch die Stadt… mir stockt buchstäblich der Atem! Keine 15min später (von Downtown Kairo zum Airport eine echte Leistung), erklärt mir Mansour, der Teufelskerl, mir ganz nebebei, natürlich nur für den Fall, dass jemand frage, er sei dann kein Taxifahrer, sondern ein Freund, der mich einfach da absetzt… aha… dann geb ich ihm 40 Pfund und schau dabei weg, seh ja auch gar kein Geld… Hamdullah! Endlich am Flughafen!
Der Flughafen Kairo ist extrem unübersichtlich, habe fast 30min und mehrmaliges Rumfragen ohne klare Antworten gebraucht, um meinen Check-In Schalter zu finden… aber schlussendlich geht auch das… dafür ist der uralt, hat keinen Bildschirm, sondern der Flug wird auf einer Plastiktafel angeschlagen… noch kurz einen Kaffee (zu europäischen Preisen(!)), einchecken und zum Gate… die Security am Röntgen schläft,
und zwar im eigentlichen Sinne, während bei jedem durchgehenden Passagier der Metalldetektor pfeift, aber das interessiert nicht… als aber einer der Wartenden die Szene fotografiert, ist er sofort hellwach und konfisziert den kompletten Film… auf in den Flieger, wieder eine Embraer 170. Nach Start im total diesigen Kairo und nach einem ruhigen Flug gute 45min später und 510km weiter Landung in Luxor…
Gepäck kommt auch an, treffe Silvia am Flughafen, sie und ihr Mann wollen mich erst zu einem anderen Hostel fahren, aber die machen keinen guten Preis, also auf zu dem Schuppen, den ich übers Netz mir ausgeguckt habe… stellt sich schlussendlich als gute Wahl heraus… und im Preis hab ich ihn auch noch mal auf 60 Pfund für 2 Nächte drücken können… Sachen abladen, kurz das weitere Procedere mit Silvia und Mohammed geklärt und auf zur Tempeltour… ganz "touristy" in der Mittagshitze, will heissen, gute 42° im Schatten (aber kein Schatten weit und breit)… zuerst gehts zum Luxor Tempel mitten in Luxor…
Eine "Avenue of Sphinxes" führt durch einen grossen Torbogen (natürlich "verziert" mit riesigen Statuen) in die eigentliche Tempelanlage… hier hat beim Bau "klotzen, nicht kleckern!" wörtlich genommen… alles in grossem Massstab und vor allem am faszinierendsten: überall, aber auch überall sind Hieroglyphen, selbst an der Decke oder auf der Rückseite von Statuen…
viele Touristen erschweren Bilder ohne Menschen… trotzdem viel gestaunt… Tempelwächter tauchen aus dem Schatten (wo bitte haben die den gefunden?) wie selbiger auf, um Touristen zu ermahnen oder ganz nett und freundlich ein Foto von ihnen zu machen, um dann Bakschisch einzufordern… gefühlt wärmer als in der Wüste (obs daran liegt, dass wir dank gutem Guide in der Wüste der Mittagshitze in den Schatten ausgewichen sind?), aber die grössere Sorge gilt der Kamera: wird die dank schwarzem Gehäuse und Dauereinsatz in der prallen Sonne doch recht heiss… (immerhin hat sie den heutigen Tag überstanden und die letzte Bewährungsprobe steht morgen aus)
Nach einer guten Stunde auch diesen Punkt "abgehakt", nach zähem und letztlich erfolgreichen (Preis 5 Pfund unter "normal" gedrückt) Handeln gehts mit der Pferdekutsche knappe 3km weiter zum Tempel von Karnack, Fahrer und Pferd warten auf mich (Geld gibts erst, wenn ich wieder zurück in Luxor bin, sonst ist der "habibi" ja gleich wieder weg!)…
noch grössere Anlage (fast ein km2 gross), eigentlich bestehend aus 3 verschiedenen Tempeln, mit noch grösseren Pfeilern, Obelisken, Verzierungen etc… mittlerweile ist es so heiss, dass selbst die streunenden Hunde den Schatten weder verlassen,
noch sich überhaupt in irgendeiner Form bewegen… in der Haupthalle ein Wald aus Pfeilern, von oben bis unten verziert, zum Teil noch bemalt (soll heissen, die farben sind noch erkennbar!). Einer der Tempelwächter (sollte sich später bei genauem Hinsehen bei mit aus der Weste blitzender MP als Security in "zivil" herausstellen)
bietet mir an ein Foto von mir zu machen… nix da willst wohl nur Bakschisch… als er merkt, dass die Masche nicht zieht, zerrt er mich zu einer Stelle, von der man einen Pfeiler mit 2 Obelisken gleichzeitig fotografieren kann… und will dann Euros in Pfund tauschen… sicher zu einem miserablen Kurs… als ich auch das ablehne, wird forsch nach Bakschisch gefragt… na gut, wenns denn sein muss… dann bekommst halt dein Pfund… der nächste "freundliche" Tempelwächter, der es 20 min später versucht, bekommt von mir schnell ein "no photo, no change, no bakschisch" zu hören und ist ganz schön angefressen… das die sich dann aber auch immer so lautstark wundern müssen… den besten Eindruck (beider Tempel) bekommt man in der Bildergalerie unter "ancient Egypt"
Danach wieder mit der Kutsche "heim", nachdem das Hostel eine Waschmaschine hat und meine Hose mittlerweile Salzränder vom schwitzen, ist heute Waschtag… dann gibts eine kleine Siesta… gegen fünf meld ich mich bei Mohammed und Silvia, die kommen mich gleich für eine Fahrt mit ihrer
Felukke auf dem Nil abholen… am Ende mit dem kleinen Segelböötchen 2 Stunden über den Nil geschippert, Luxor (und Umgebung) vom Nil aus genossen, den Sonnenuntergang diesmal auf dem Nil erlebt… klasse Fahrt, angenehmes laues Lüftchen weht, auch hier wieder viele Eindrücke… am Ende klettert der Bootsjunge noch zum Segel reffen den 18m hohen Mast rauf… wie ein Äffchen… faszinierend… Danach noch 2 Stündchen mit ein
paar Einheimischen und "Zugereisten" vor einem der vielen Coffe Shops eine Shisha geraucht und ganz nett unterhalten… zurück mit dem Minibus zum Hostel, noch schnell Wasser für morgen organisiert, steht doch für 7:00 der Abmarsch Richtung Tal der Könige (und -innen) und zum Hatschepsuth-Tempel an…
Jetzt sitz ich jetzt hier bei 35° in meinem Zimmerchen und werd mich zum upload auch nicht mehr die 3 Stockwerke nach unten bewegen, sondern zügig in der Falle verschwinden, ists doch auch schon wieder gleich 0:00…
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Luxor und Kairo und Ägypten und Unterwegs und Flug
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Jun
02
Gestern
abend von Mohammed noch das Bus-Ticket gebracht bekommen und dann früh ins Bett… heute morgen kurz vor 6 raus, der frühe Vogel fängt den Wurm… Sachen fertig gepackt und dann aufgemacht zu einem kleinen Spaziergang… alte Lehmziegelhäuser verfallen oder noch bewohnt, neben hässlichen “modernen” Hütten aus weissen Ziegeln, unverputzt… überall Müll der rumliegt…
Auf dem Rückweg zum Hotel einen Hügel gefunden, von dem man einen perfekten Blick über das Tal hat. Sehr schöner Ausblick… und dann einem Pfad nach unten folgend, entfaltet sich neben einem Bachlauf (mit heissem (!) Quellwasser) ein gigantischer Palmengarten,
grasende kühe und Esel… einfach idyllisch… zurück zum Hotel, auschecken, Rucksack schultern, auf zur “Hauptstrase”, nach vielem Durchfragen endlich auch Brot bekommen… An der Bushaltestelle boebachte ich das rege Treiben der Oase: Eselskarren, Mopeds, alte Jeeps… alles sehr “rustikal” aber es fährt oder läuft… Manuel, der
Franzose aus der Wüste, nimmt wieder denselben Bus… bekomme von einem Beduinen einen Tee angeboten, nehme dankend an… später sollte sich herausstellen, dass er dafür ganze 2 Pfund haben wollte… ein wenig Chaos beim suchen der numerierten Sitzplätze, aber irgendwie geht das immer… und auf geht die Fahrt… letzte Blicke auf die Schwarze Wüste…
Weiter bis ins nächste Dörfchen, hier steigen die Einheimischen dann auch mit den lebenden Hühnern wieder aus… und die Fahrt geht weiter, wieder laute arabische Beschallung, wieder froh über den iPod und wieder fast unerträglich heiss im Bus… auch die Wüste ändert sich kaum: gelber Sand und Hügel… nur der Sand selber sieht immer etwas anders aus… kein Wunder, dass die Wüstenstämme 20 oder mehr verschieden Worte für Sand kennen (ähnlich wie die Inuit, nur dass die viele Worte für unterschiedlichen Schnee haben)… auf jedenfall ändert sich die Wüste hier nicht so beeindruckend wie in den letzten 2 1/2 Tagen… Pinkelpause am wohlbekannten “Rastplatz”… irgendwann wird der Verkehr mehr… an hupender Handfeger schlafen ist bei dem wildgewordenen Handfeger von Busfahrer nicht zu denken, startet der bei jedem
Überholvorgang ein minutenlanges Hupkonzert… zuerst Strassenlaternen, dann taucht die Satellitenstadt 6. Oktober auf und dann auch das erste Grün… Kairo naht… unterwegs noch einen kurzen Blick auf die Pyramiden bekommen, werden wir im Süden der Stadt am Gizah Square (?) rausgeschmissen… Manuel schliesst sich mir an und wir organisieren ein Taxi.
Zum Talat Harb Square nach ein bischen Verhandlen für einen unglaublich niedrigen Preis von 5 Pfund… der sich später beim Aussteigen als Missverständnis herausstellen sollte… wildes Palaver, weiter 20 Pfund später ist der Fahrer immer noch angefressen… und wir gehen trotzdem… wieder ins selbe Hostel, war zwar nicht das sauberste, dafür gibts hier das Internet “for free”… und da ist er wieder: der gute, 134 Jahre alte Aufzug… die Jungs lassen sich beim Check-In auch auf nachfrage mehr als 45 min Zeit… Zeit genug, die Einträge der letzten Tage hochzuladen (dank WiFi)… keine “rooms ensuite”, d.h. kein eigenes Bad mehr da… stellt sich aber als ganz gut heraus, ist das Gemeinschaftsbad doch wesentlich sauberer als die in den Zimmern…
Nach kurzem Frischmachen gehts wieder rein ins Getümmel, haben wir doch gerade beschlossen, mal was anderes zu machen und hier und heute ins Kino zu gehen… vorher gehts noch über einen “echten” Basar, nicht so eine Touri-Falle… wie immer, viele Ladas aus alter Soviet-Produktion als Taxen, VW-Busse als Minibusse und ein defekter alter Käfer… kurzer Zwischenstop beim “Goldenen M” und auf gehts zum Kino…
davor repariert ein Araber eine Leuchtreklame eines Shops: an einem dünnen Seil hängend… das wiederum ist nur an einem Brett befestigt, auf dessen anderem Ende ein Zweiter (als Gegengewicht) steht… was die Berufsgenossenschaft da wohl zu sagen würde… dann darf Henry Jones Jr. das Geheimnis des Kristallschädels lüften… das Interier des Kinos ist eher europäisch angehaucht, schätze mal so aus den 20ern/30ern des letzten Jahrhunderts… auch die Sitzplatznummerierung ist in wohlbekannten Zahlen… die Leinwand ist ein grosses, weisslackiertes Brett, Astlöcher sind während des Films zu sehen… hier wird auch während des Films fröhlich telefoniert… und bitterkalt ist es…
Aber der richtige Knaller kommt nach dem Kino, beim Verlassen desselben… soweit nix neues, zuhause schon tausendmal gemacht… aber draussen hats dann keine 33° und du stehts nicht mitten der abendlichen Hektik von Downtown Kairo… noch schnell Silvia in Luxor angerufen, wenn ich morgen den Flieger erwische, werd ich vom Airport abgeholt… das wird morgen lustig, hat doch einer der backpacker erzählt, dass er heute seinen Flug mit EgyptAir verpasst hat, obwohl er >2h vorher am Flughafen war… dann heissts wohl, um 5:00 aufstehen… und dann wird sich wahrscheinlich rausstellen, dass es völlig unnötig war… noch schnell 2, 3 Bier organisiert, den Eintrag und ein paar Fotos fertigmachen und dann schnell in die Falle…
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Ägypten, Baharia, Kairo, Oase, Unterwegs, Wüste
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Kairo und Oase und Wüste und Ägypten und Unterwegs
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Mai
30
Gestern
abend noch mit ein paar neuangekommenen "Kiwis" und dem Rest der Backpacker zusammengesessen: genau dasselbe Spiel wie in Thailand: Neuseeländer = Bier für jeden… das scheint irgendwie ein Naturgesetz zu sein….
Leidlich geschlafen gehts um halb Sechs raus. In der Morgendämmerung schläft auch diese Stadt, zwar immer noch mehr Verkehr als daheim, aber für Kairo ists grad ruhig. Vorbei an einem Bäcker, der sein frisch gebackenes Brot auf dem Fahrrad transportiert… und zwar in einem riesen (unbefestigten) Haufen auf einem 1×2m grossen Brett… und das auf dem Kopf… Kurz vor Sechs an der Busstation, ein wenig Warten in der grossen Wartehalle… gibt hier 50 Bus-Terminals… Schliesslich gehts mit dem richtigen Bus los…
Nach 2 Stunden Fahrt eine Zwangspause in der Wüste, ein LKW und sein Anhänger liegen auf der Seite und blockieren die Fahrbahn… und bevor nicht die Kieselsteine aus dem Hänger gebaggert sind, kann der nicht zur Seite geschoben werden (wer transportiert auch Steine in die Wüste?)… nach insgesamt 3h Fahrt eine Pinkelpause an der Raststätte, hier nimmt man das grosse Klo Wüste. Neben der Raststätte gleich eine Kaserne, und nach Gewerkschaftsrichtlinien gibts einen Fahrerwechsel… und weiter gehts auf der schmalen Teerschlange, die sich durch den Sand zieht. Zwischendrin immermal wieder eingenickt, kann ich irgendwann die x-te Wiederholung der arabischen Gebetskassette über die Bordlautsprecher nicht mehr ertragen und bin froh über meinen I-Pod. Gegen 12:00 taucht das erste Grün vor uns auf, ein paar Inseln, mehr nicht… Kurz vor Eins in Baharia nach 6 Stunden Fahrt und ungefähr 400km Strecke angekommen, werd ich von Muhammad, meinem Guide für die Tage, aufgegabelt.
Schnell die Formalitäten bei der Tourist-Police erledigen (unter anderem der handschriftliche Verzicht auf Polizeischutz in der Weißen Wüste… auf keine Polizei
in
der Wüstemeine Frage, ob dass denn so gefährlich sei, antwortet der Offizier: "Na, wenn das gefährlich wäre, dann würden wir Dir einen Polizisten mitschicken… ??? aber hab ich auf den nicht grad schriftlich verzichtet?). Danach kurz von Yaya, dem Chef der Tour gebrieft worden (unter anderem, dass mein Guide einer der Besten und vor allem ruhig sei (auch das find ich wichtig und sollte sich später beides als wahr herausstellen), wir packen Osama (junger netter Kerl) als zweite Begleitung ein und dann gehts ein Dörfchen weiter… heute ist Freitag, der islamische Sonntag, die Jungs müssen beten…
also gute gute 40km auf der Strasse nach Farafra weiter, mitten durch die Schwarze Wüste (eigentlich ist der Sand hier ja Gelb, aber da es hier viele schwarze Steinchen gibt, siehts aus dem richtigen Winkel alles schwarz aus)… in El Ries angekommen, werd ich unter einem Baum mit umgebendem Dach aus Traubenrebstöcken "geparkt" und darf die arabische Gastfreundschaft kennenlernen, werd ich doch an den Nachbarteppich zum Essen und auf einen (oder ein paar mehr) Tee eingeladen… ein echter Garten Eden hier, Vögel zwitschern, Esel ii-ah-hen, Schatten (imerhin trotzdem gute 35°)… und das alles in dem Wissen, keinen Kilometer weiter ist die Wüste…
Nach der "Mittagspause" gehts um kurz vor 17:00 weiter (ja, hier gehen die Uhren nochmal anders!), vorbei an den Resten eines alten Römerkastells (ja, die waren sogar hier!), weiter auf der Strasse Richtung Süden (Farafra), um dann einfach irgendwann links in die Wüste abzubiegen.
Noch kurz ein wenig Luft aus den Reifen lassen und los geht der Trip! "Querfeldein". Jetzt bin ich über das in Kairo (für sicher viel zu teures Geld) gekaufte Beduinentuch nicht böse, brennt die Sonne doch auch um diese Uhrzeit noch gewaltig, so wie ichs bisher (logischerweise) noch nicht erlebt hab… aus dem vielen Schwarz schälen sich die ersten Flecken Weiß, über die alte (Offroad-)Strasse zwischen Baharia und Farafra (die Teerstrasse gibts erst seit ~20 Jahren) weiter…
irgendwann taucht El Agabat auf: grosse, einzeln stehende, weisse Felsen, gezeichnet von Wind und Wetter, schmal und breit, in allen Variationen, umgeben von Dünen und "Steinhügeln"… hier wird das erste Nachtcamp aufgeschlagen (Agabat Offroad), knappe 50km Luftlinie von der Strasse weg…
Während ich ein wenig spazieren gehe, die Wüste und den atemberaubenden Ausblick wirken lasse,
bauen die beiden Jungs das Camp auf und richten das Abendessen. Den Sonnenuntergang von einem Hügel aus geniessend, denk ich mir "Meißler, das war wieder eine sehr gute Entscheidung!" Auch die Vorstellung, heute früh noch im Moloch Kairo
gewesen zu sein, ist komisch. Denn diese Stadt ist im Moment mehr als nur die geographischen 500km entfernt! Zurück im Camp, taucht in der tiefen Dämmerung ein Wüstenfuchs, der wohl unser Essen riecht, bis auf 30m ans Camp, auf. Das Abendessen wird auf gaskocher und z.T. auf einem Lagerfeuer gemacht… Die Stille hier ist eine ganz andere als zum Beispiel in der Grabkammer in der Pyramide… die hat in den Ohren geklungen, die Stille hier ist, ja, die ist einfach "weiter", anders kann ichs auch nicht beschreiben… logische Kiste, aber trotzdem anders als daheim: du kannst hier graben, solange du willst, der Sand bleibt trocken und wird auch nicht kälter, im Gegenteil, jetzt am Abend wird er in der Tiefe wärmer… auch logisch, aber eben ganz anders, als früher im Sandkasten… aber der war auch nicht so gross!
Langsam kommen die Sterne raus, und nach dem Abendessen blitzen zwei reflektierende Augen aus der Dunkelheit… der Wüstenfuchs ist wieder da und holt sich die Essensreste… und den Geräuschen nach zu urteilen, ists nicht nur einer… wird sich doch gerade lautstark ums Futter gestritten… Noch einen gemütlichen Tee am Feuer getrunken, und (unzulänglich) versucht, den Sternenhimmel in einem Foto festzuhalten… Nachdem der Wüstenfuchs nun neugieriger wird, steht er nun nahe des Feuers, bekommt von uns ein wenig Wasser und ich mein Foto…
Am Ende unter dem Sternenzelt (kein Mond weit und breit dank Neumond) gelegen und in die Unendlichkeit geblickt… jetzt weiss ich auch, warum es so heisst: es sind nicht nur viel mehr als bei uns daheim, sie sind auch zum Greifen nahe… und an einem Abend hab ich mehr Sternschnuppen gesehen, als in meinem bisherigen Leben… die beiden langgezogenen hellen Flecken, die ich ursprünglich für Wolken gehalten habe, sind keine! Wandern sie doch exakt mit dem Sternenhimmel mit… nein, das ist die Milchstrasse! Bei dem Anblick versteh ich die vielen Mythen und Legenden, die sich in der Vergangenheit um den Himmel gerankt haben… keine Wunder, dass unsere Vorfahren den Himmel so faszinierend fanden und so intensiv beobachtet haben… die Sterne sind (auch ohne Mond) so hell, dass alle Umrisse gut zu erkennen sind… Auch wenn ich noch gerne viel länger in den Himmel geschaut hätte, irgendwann fallen mir einfach die Augen zu…
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Kairo und Oase und Wüste und Ägypten und Unterwegs
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Mai
29
Wär ja zu schön gewesen… auch wenn ich sie bisher (zu) selten benutzt habe, hätte ich schon gerne eine funktionierende Videocamera… durfte allerdings gestern abend noch feststellen, dass sie nach dem (finalen) Auswerfen der Kassette diese nun nicht mehr frisst (eine andere übrigens auch nicht)… geht ja gut weiter… und ich dachte, den Technikteufel hätte ich in Thailand gelassen… aber was solls, dann wird eben (noch) mehr fotografiert… und im nächsten Urlaub hab ich ein Gewicht weniger… Pharaos Rache schlägt kurz vor dem Wüstentrip auch zu, da hat die abentliche Prämedikation mit einem Schluck Red Label wohl nicht geholfen… ist ja auch mehr Aber als Glaube… mal sehn, wie gut Kohle, Perenterol und Co in der Wüste wirken… nichtsdestotroz, heute gings weiter: Die Zitadelle und das Islamische Kairo anschauen.
Nachdem ich mal etwas länger geschlafen hab, gegen 11:00 mit dem Taxi losgezogen, dem Taxler unter Zuhilfenahme der Karte und zweier Passanten klargemacht wo ich hinwollte… Auch die Krankenwagen stecken hier im normalen Verkehr fest, nix mit "Jalla jalle"… weiter gehts zur Zitadelle mit Muhammad Aly Moschee… Aus der Ferne beeindruckender wirkend, ist das ganze befestigte Areal (auf einem Hügel und schon ein paar Jährchen auf dem Buckel) nicht mehr ganz so
imposant… im weitläufigen Areal befinden sich unter anderem das Militär und das Polizeimuseum… Im Ägyptischen Militärmuseum finden sich Selbstbeweihräucherungsszenen der vergangenen Siege und Niederlagen… wenigstens herrscht hier drin für hiesige Verhältnisse Zucht und Ordnung: der Weg ist durch Absperrungen strikt vorgegeben, militärisch exakt gehts immer im rechten Winkel um die Kurven… wieder draussen, schenke ich mir dann das Polizeimuseum und geniesse stattdessen die Aussicht auf das (tieferliegende) Kairo…
hab ich also doch noch meinen Blick auf den Moloch von oben bekommen… noch ein paar Fotos von der Moschee, Schuhe aus und auch mal rein… gross, nette Malereien an der Decke, alte Lampen und ein alter Teppich… danach draussen in den Schatten gehockt und das reiseführende Buch nach dem Rest des Tagesplans gefragt: auf gehts auf den Bazar!
Der Taxler stellt sich als echter Geschäftsmann raus, nachdem ich ihm erstmal eine meiner Zigaretten angedreht hab, sind wir die besten Freunde… funktioniert hier mit den Taxlern immer ganz gut… Am Ende hat er mich weichgekocht und fährt mit mir für ein paar Fotos durch die "City of the Dead", hier schlafen die Bewohner sprichwörtlich neben ihren Toten, haben sie doch ihre Schlafzimmer neben den Gräbern 3m unter der Erde… und dann schwatzt er mir den Trip durchs Islamische Kario auf, auch hier gabs ein paar nette Fotos und ich musste das wenigstens nicht ablaufen (wies eigentlich geplant war)… war bei der Hitze auch ganz gut so!
Abgesetzt eine Ecke vor dem Khan El-Kahlili Bazar gönn ich mir erstmal was zu Essen. Der europäische Magen will streiken, ob der Zustände, unter denen hier gekocht wird, aber hier sieht man es wenigstens mal, in den Küchen drinnen wirds auch nicht anders aussehen… zwei Ecken
und
2 Welten weiterDanach ein wenig die Gegend erkunden, einfach mal drauflos… und nach 2 Ecken steck ich in einer der armen Gegenden drin… gerade noch mit unendlich vielen Autos auf dem Highway, bietet sich hier mit Eselskarren und Handarbeit
eine ganz andere Ansicht der Stadt… ein paar Ecken komm ich am eigentlichen Bazar an, gönne mir hier in einem Strassencafe erstmal ein Wasser und eine Shisha, und zu essen gibts nochmal was… danach kurz über den Basar geschlendert und trotz Handelns einen mit Sicherheit überhöhten Preis für ein Kopftuch (Wüste lässt grüssen) gekauft…
die Händler hier sind mehr als aggressive Verkäufer, wer den Fehler macht, den Jungs zum Gruss die Hand zu geben, wird gnadenlos festgehalten und zum eigenen Shop gezerrt… da hilft nur eines: offenkundig sauer werden…
und nu zurück zum Hostel, vorher noch ein bischen Geld für den Wüstentrip holen… Nochmal gemütlich mit dem Aufzug von 1874 fahren, echt Schweizer Fabrikat… Den Jungs im Hostel nochmal auf die Füsse treten wegen des Bus-Tickets morgen, es läuft hier halt arabisch: kommste heute nicht kommste morgen… angeblich bekomm ichs heute abend… mal sehn…
jetzt heissts noch Proviant und Wasser kaufen, Sachen alle wieder einpacken, das letze Mal für die nächsten 4 Tage duschen gehen, die Haare aus dem Gesicht kratzen und morgen früh um 6 mit dem Taxi los… ach ja, in der Wüste gibts natürlich kein Internet… wir lesen uns dann am 01.06. wieder (?), dann gibts den Wüstentrip chronologisch nachgearbeitet und nachgetragen, gewürzt mit vielen Fotos…
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Ägypten, Kairo
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Kairo und Ägypten
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Mai
28
Nach einer sehr kurzen Nacht dank Moskitos (und ich dachte, bei dem Smog überleben die Viecher nicht, aber nein, dicke Flatschen machen sie, wenn sie denn zugestochen haben. Und als ich den Irrtum bemerkt habe, durfte ich feststellen, dass ich das "Off" (=Autan) in Hurghada vergessen hab…) früh aufgestanden, lecker Trip zu den Pyramiden.
Erstmal noch das defekte Klo moniert, und dann pünktlich um kurz vor 8 vor der Tür gestanden… viele Taxifahrer können den Trip ja besser… sagen sie… kurz nach ist der klimatisierte Minibus da und meine Privattour beginnt… auf nach Memphis… quer durch Kairo, bei schräg stehender
Morgensonne fällt der Smog noch mehr auf! Geschätzte Sich: 1km!! Nach 45min angekommen, präsentiert sich… nicht viel für 50 Pfund… ein paar kleine Statuen & Tafeln draussen. Aber um eine riesige Statue von Ramses II ist ein "Museum" drumherumgebaut worden. Der Colossus soll noch so liegen, wie man ihn gefunden hat.
Kurz danach gehts weiter nach Saqquara, der Grabstätte von König Zoser… ein kleines Pyramidchen
(jaa, jetzt kann er daherreden, aber als der feine Herr die gesehn hat, hat er sich schon wie ein Schneekönig gefreut… doch dazu später mehr) und ein paar Tempelreste, viel Sand und ein tiefer Schacht in der grössten Ausgrabungsstätte Ägyptens (sowohl von der Anzahl der Funde als auch der räumlichen Ausdehnung)… einige nette Geschichtchen über kleine Kammern nur für die Seele und ähnliches von meiner Führerin gehört… Danach war ich beim Besuch einer der vielen Teppich-Web-Schulen ein braver Tourist und hab ein Souvenir gekauft… schon krass, wie schnell die Kids (die da offiziell nicht arbeiten, sondern lernen(!), verkauft werden die Teppiche dann trotzdem) die Knoten knüpfen… und das im Zweifel auch mal 6 Monate lang, um einen Teppich mit 64 Knoten pro cm2 fertigzustellen…
Zurück Richtung Kairo fällt mal wieder die andere Lebensweise auf: Kinder die auf dem Feld in der Mittagshitze schuften, viele Häuser, die angefangen aber nicht fertiggestellt wurden und trotzdem bewohnt werden, Eselskarren (oder auch reitend ohne Karren)… und das 15km von Kairo entfernt… "Zwangsstop" an einem Papyrus-"Museum" (wohl eher ein Shop!), hier bekomm ich gezeigt, wie Papyrus hergestellt wird und ernte überraschte Blicke als es zum Ende der "Verkaufsveranstaltung" kommt und ich genau ein Blatt unbemalten Papyrus ordere… und weiter gehts… vom Higway aus schon zu sehen und laut Beschilderung noch 4km weg… dafür schon riesig… DIE Pyramiden schälen sich aus dem Smog, und beeindrucken schon jetzt… noch ein paar Kurven, und wir stehen davor… Mund zu!
Und nun zeigt sich, warum es gut war, eine Tour zu buchen, alleine zu sein und dafür ein wenig mehr auf den Tisch zu legen: in die Cheops-Pyramide hinein dürfen vor- und nachmittags je 150 Personen… und die waren schon drin… aber dank Guide und solo gehts dann doch… mein Guide, eine Ägyptologiestudentin, macht dem Mann im Kassenhäuschen einfach ein bischen schöne Augen und auf gehts in die Pyramide… willkommen im Land der "unbegrenzten Möglichkeiten"…
durch den ca 10m über dem Boden befindlichen Eingang rein (vorher natürlich die Kamera abgeben müssen)… mannshoher und doppelt schulterbreiter Gang führt zu einer kleinen Leiter und die mündet in einen Schacht: 80cm hoch, genauso breit gehts im steilen 30-Grad-Winkel über Holzbohlen mehr kriechend als laufend nach oben… öffnet sich dann (nach einer für den Rücken unendlichen Zeit) in einen "Gang", 5m breit und bestimmt 15-20m hoch… wirklich eindrucksvoll! und auch hier gehts genauso steil weiter nach oben… oben angekommen, noch zweimal kurz geduckt und da ist sie: die Grabkammer von Cheops… 5m hoch, 15m lang und 5m breit, mit glattem schwarzen Granit ausgekleidet und am Kopf der (leere) Sarkophag… spärlichst ausgeleuchtet (wie der ganze Weg hierher), aber beeindruckend! Tief Luft geholt und vor lauter Gewalt der Geschichte läuft mir ein Schauer den Rücken runter. Last der JahrtausendeDu wagst kaum zu atmen hier drin… langsam aber sicher losgerissen, denselben Weg zurück, die "Halle" vor der Kammer noch wirken lassen, mit krummem Rücken wieder in die Sonne zurück… definitiv ein "must-see"! Und funktioniert hats nur, weil eben nicht pauschal im Reisebüro in grosser Gruppe organisiert, sondern in den Luxus einer "Privat-Tour" investiert. Ganz auf eigene Faust hier angekommen, wär das heute nicht drin gewesen, und ob der Weitläufigkeit der Anlage (hier gibts ja schliesslich nicht nur eine Pyramide) in der Mittagshitze zu Fuss eine
schweisstreibende Angelegenheit, wenn nicht sogar unmöglich gewesen… die Pyramiden vom "Panorama-Point" alle gemeinsam überblickt… im Hintergrund der Moloch… von hier gehts weiter zur Sphinx… auch die ist beeindruckend! Zwar kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe, aber eben auch ganz grosse Geschichte! Wie das hier wohl ausgesehen haben mag, als die Pyramiden noch glatt und die Tempel drumherum waren… Melde mich freiwillig für die ersten Versuche mit der Zeitmaschine!…
Nachdem ich auch hier alles gesehen habe, wieder "heim" ins Chaos… Den Verkehr aus dem Fahrzeug zu erleben (als Fussgänger ists ja schon lustig) ist der Hammer… rechts, links, kreuz und quer, nur Fingerbreiten zwischen den Autos, aber keine Unfälle. Von dieser Warte aus gesehen wird es um so wahnwitziger, die Strasse als Fussgänger zu überquerern… aber es geht.
Früher als geplant zurück (auch ein Vorteil einer Solo-Tour) schnell in ein neues Zimmerchen umgezogen, hier geht das Klo wenigstens… und dann wieder die Beine in die Hand genommen, das Ägyptische Museum besuchen… dann bleibt morgen mehr Zeit, um nochmal durch Kairo zu ziehen. Strenge Sicherheitskontrollen (insgesamt 3 Schleusen) später, steh ich drin… hier gibts alles! Grosse Statuen, kleine Statuen, Werkzeug, Kunst, Schriftrollen, Sarkophage, ganze Schlafzimmer, Spiele etc, etc… Filigranste Handarbeit, Schriftzeichen wohin das Auge blickt, als Positiv oder als Negativ gemeisselt… und irgendwann bist du völlig übersättigt… mittlerweile ganz schön kaputt, wieder aufgemacht gen Hostel, unterwegs noch "Off" organisiert… am nächsten Strassenstand was essen und da sitz ich nun, und lass den Tag bis jetzt Revue passieren… kurzes Schläfchen, dann noch die Fotos hochladen… und jetzt: bis Morgen!
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Ancient Egypt und Kairo und Ägypten
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