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Von Kairo in die Schwarze Wüste
Gestern
abend noch mit ein paar neuangekommenen "Kiwis" und dem Rest der Backpacker zusammengesessen: genau dasselbe Spiel wie in Thailand: Neuseeländer = Bier für jeden… das scheint irgendwie ein Naturgesetz zu sein….
Leidlich geschlafen gehts um halb Sechs raus. In der Morgendämmerung schläft auch diese Stadt, zwar immer noch mehr Verkehr als daheim, aber für Kairo ists grad ruhig. Vorbei an einem Bäcker, der sein frisch gebackenes Brot auf dem Fahrrad transportiert… und zwar in einem riesen (unbefestigten) Haufen auf einem 1×2m grossen Brett… und das auf dem Kopf… Kurz vor Sechs an der Busstation, ein wenig Warten in der grossen Wartehalle… gibt hier 50 Bus-Terminals… Schliesslich gehts mit dem richtigen Bus los…
Nach 2 Stunden Fahrt eine Zwangspause in der Wüste, ein LKW und sein Anhänger liegen auf der Seite und blockieren die Fahrbahn… und bevor nicht die Kieselsteine aus dem Hänger gebaggert sind, kann der nicht zur Seite geschoben werden (wer transportiert auch Steine in die Wüste?)… nach insgesamt 3h Fahrt eine Pinkelpause an der Raststätte, hier nimmt man das grosse Klo Wüste. Neben der Raststätte gleich eine Kaserne, und nach Gewerkschaftsrichtlinien gibts einen Fahrerwechsel… und weiter gehts auf der schmalen Teerschlange, die sich durch den Sand zieht. Zwischendrin immermal wieder eingenickt, kann ich irgendwann die x-te Wiederholung der arabischen Gebetskassette über die Bordlautsprecher nicht mehr ertragen und bin froh über meinen I-Pod. Gegen 12:00 taucht das erste Grün vor uns auf, ein paar Inseln, mehr nicht… Kurz vor Eins in Baharia nach 6 Stunden Fahrt und ungefähr 400km Strecke angekommen, werd ich von Muhammad, meinem Guide für die Tage, aufgegabelt.
Schnell die Formalitäten bei der Tourist-Police erledigen (unter anderem der handschriftliche Verzicht auf Polizeischutz in der Weißen Wüste… auf keine Polizei
in
der Wüstemeine Frage, ob dass denn so gefährlich sei, antwortet der Offizier: "Na, wenn das gefährlich wäre, dann würden wir Dir einen Polizisten mitschicken… ??? aber hab ich auf den nicht grad schriftlich verzichtet?). Danach kurz von Yaya, dem Chef der Tour gebrieft worden (unter anderem, dass mein Guide einer der Besten und vor allem ruhig sei (auch das find ich wichtig und sollte sich später beides als wahr herausstellen), wir packen Osama (junger netter Kerl) als zweite Begleitung ein und dann gehts ein Dörfchen weiter… heute ist Freitag, der islamische Sonntag, die Jungs müssen beten…
also gute gute 40km auf der Strasse nach Farafra weiter, mitten durch die Schwarze Wüste (eigentlich ist der Sand hier ja Gelb, aber da es hier viele schwarze Steinchen gibt, siehts aus dem richtigen Winkel alles schwarz aus)… in El Ries angekommen, werd ich unter einem Baum mit umgebendem Dach aus Traubenrebstöcken "geparkt" und darf die arabische Gastfreundschaft kennenlernen, werd ich doch an den Nachbarteppich zum Essen und auf einen (oder ein paar mehr) Tee eingeladen… ein echter Garten Eden hier, Vögel zwitschern, Esel ii-ah-hen, Schatten (imerhin trotzdem gute 35°)… und das alles in dem Wissen, keinen Kilometer weiter ist die Wüste…
Nach der "Mittagspause" gehts um kurz vor 17:00 weiter (ja, hier gehen die Uhren nochmal anders!), vorbei an den Resten eines alten Römerkastells (ja, die waren sogar hier!), weiter auf der Strasse Richtung Süden (Farafra), um dann einfach irgendwann links in die Wüste abzubiegen.
Noch kurz ein wenig Luft aus den Reifen lassen und los geht der Trip! "Querfeldein". Jetzt bin ich über das in Kairo (für sicher viel zu teures Geld) gekaufte Beduinentuch nicht böse, brennt die Sonne doch auch um diese Uhrzeit noch gewaltig, so wie ichs bisher (logischerweise) noch nicht erlebt hab… aus dem vielen Schwarz schälen sich die ersten Flecken Weiß, über die alte (Offroad-)Strasse zwischen Baharia und Farafra (die Teerstrasse gibts erst seit ~20 Jahren) weiter…
irgendwann taucht El Agabat auf: grosse, einzeln stehende, weisse Felsen, gezeichnet von Wind und Wetter, schmal und breit, in allen Variationen, umgeben von Dünen und "Steinhügeln"… hier wird das erste Nachtcamp aufgeschlagen (Agabat Offroad), knappe 50km Luftlinie von der Strasse weg…
Während ich ein wenig spazieren gehe, die Wüste und den atemberaubenden Ausblick wirken lasse,
bauen die beiden Jungs das Camp auf und richten das Abendessen. Den Sonnenuntergang von einem Hügel aus geniessend, denk ich mir "Meißler, das war wieder eine sehr gute Entscheidung!" Auch die Vorstellung, heute früh noch im Moloch Kairo
gewesen zu sein, ist komisch. Denn diese Stadt ist im Moment mehr als nur die geographischen 500km entfernt! Zurück im Camp, taucht in der tiefen Dämmerung ein Wüstenfuchs, der wohl unser Essen riecht, bis auf 30m ans Camp, auf. Das Abendessen wird auf gaskocher und z.T. auf einem Lagerfeuer gemacht… Die Stille hier ist eine ganz andere als zum Beispiel in der Grabkammer in der Pyramide… die hat in den Ohren geklungen, die Stille hier ist, ja, die ist einfach "weiter", anders kann ichs auch nicht beschreiben… logische Kiste, aber trotzdem anders als daheim: du kannst hier graben, solange du willst, der Sand bleibt trocken und wird auch nicht kälter, im Gegenteil, jetzt am Abend wird er in der Tiefe wärmer… auch logisch, aber eben ganz anders, als früher im Sandkasten… aber der war auch nicht so gross!
Langsam kommen die Sterne raus, und nach dem Abendessen blitzen zwei reflektierende Augen aus der Dunkelheit… der Wüstenfuchs ist wieder da und holt sich die Essensreste… und den Geräuschen nach zu urteilen, ists nicht nur einer… wird sich doch gerade lautstark ums Futter gestritten… Noch einen gemütlichen Tee am Feuer getrunken, und (unzulänglich) versucht, den Sternenhimmel in einem Foto festzuhalten… Nachdem der Wüstenfuchs nun neugieriger wird, steht er nun nahe des Feuers, bekommt von uns ein wenig Wasser und ich mein Foto…
Am Ende unter dem Sternenzelt (kein Mond weit und breit dank Neumond) gelegen und in die Unendlichkeit geblickt… jetzt weiss ich auch, warum es so heisst: es sind nicht nur viel mehr als bei uns daheim, sie sind auch zum Greifen nahe… und an einem Abend hab ich mehr Sternschnuppen gesehen, als in meinem bisherigen Leben… die beiden langgezogenen hellen Flecken, die ich ursprünglich für Wolken gehalten habe, sind keine! Wandern sie doch exakt mit dem Sternenhimmel mit… nein, das ist die Milchstrasse! Bei dem Anblick versteh ich die vielen Mythen und Legenden, die sich in der Vergangenheit um den Himmel gerankt haben… keine Wunder, dass unsere Vorfahren den Himmel so faszinierend fanden und so intensiv beobachtet haben… die Sterne sind (auch ohne Mond) so hell, dass alle Umrisse gut zu erkennen sind… Auch wenn ich noch gerne viel länger in den Himmel geschaut hätte, irgendwann fallen mir einfach die Augen zu…
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Gelesen: 240 · heute: 2 · zuletzt: 26. July 2010
Post Tags:
Ägypten, Baharia, Kairo, Oase, Unterwegs, Wüste
Kategorie:
Kairo und Oase und Wüste und Ägypten und Unterwegs
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